Projekt „UHU“ #26 – Clubmeisterschaften 2020 (inkl. Eigenlob)

Für mich persönlich waren die Clubmeisterschaften 2020 ein Turnier, an dem ich unbedingt teilnehmen wollte. Natürlich habe ich nicht den Hauch einer Chance auf ein einziges Lorbeerblatt (das schreibe ich irgendwie jedes Jahr), aber darum geht es mir gar nicht. Also hatte ich mich auch im golferischen Rumpfjahr 2020 angemeldet.

Auf drei Tage gestreckt

Leider ist bei uns im Club die Teilnahmequote an den Clubmeisterschaften alles andere als gut. Im letzten Jahr haben gerade einmal 25 Herren mitgespielt, in den Vorjahren war es auch nicht besser. Bei den Damen sind es leider noch weniger Teilnehmer, aber da darf ich ja nicht mitspielen…

Als ein möglicher Grund wurde vermutet, dass sich viele Spieler von der Aufgabe abhalten lassen, zwei Runden an einem Tag zu spielen – auch bei uns wurden samstags die üblichen 36 Loch gespielt.

Das ist sicher nicht jedermanns Sache, für mich persönlich aber macht genau das einen Teil des Reizes aus. Auf jeden Fall hatte unser Spielleiter deshalb festgelegt, dass die drei Runden der Clubmeisterschaften 2020 auf drei Tage verteilt werden.

Wir haben in diesem Jahr also jeweils einmal am Freitag, am Samstag und am Sonntag gespielt. Ich persönlich fand das zwar sehr schade – aber gut, dann geht halt ein Urlaubstag drauf und ich darf dreimal Golf spielen, ist ja auch schön.

Meine Zielsetzung vor den Clubmeisterschaften 2020

Mein Hauptziel war einfach: Ich wollte wieder – wie im letzten Jahr – die rote Laterne jemandem anderen überlassen. Bei den Clubmeisterschaften 2019 hatten sich gleich vier Spieler hinter mir eingereiht. Das zu wiederholen oder sogar zu toppen wäre schon schön, aber das Kernziel lautete: keine rote Laterne.

Das zweite Ziel – also quasi ein Unterziel – war für mich „no double digits“. Über drei Runden Zählspiel keine zweistellige Zahl an einem Loch notieren zu müssen klingt schon richtig gut. Bislang hatte sich immer irgendwo eine 13 eingeschlichen – ich habe da zwei spezielle Löcher, die es mir in dieser Hinsicht „irgendwie angetan“ haben.

Mein „wäre-schon-richtig-geil-wenn“-Ziel schließlich war es, mindestens eine UHU-Runde während der drei Tage zu spielen. Meinen ersten UHU in einer Turnierrunde von gelb hatte ich ja gerade erst geschafft, da machte sich bei mir gleich der Ehrgeiz breit, das beim sportlichen Highlight des Jahres zu wiederholen.

Das sah im Vorfeld nach einem guten Zielpaket aus, fand ich. Erreichbar, aber aufgrund meiner bisherigen golferischen Entwicklung trotzdem ehrgeizig. Dazu kam der wichtigste Vorsatz: Spaß haben – immerhin ist es nur ein Spiel.

Runde 1 am Freitag

Wie soll ich es sagen – die Clubmeisterschaften 2020 waren für mich anders als erwartet. Also wirklich, ganz anders. Der Freitag fing schon am Donnerstag an, als nämlich die Startzeiten veröffentlicht wurden: Ich sollte freitags um 15 Uhr auf Tee 10 loslegen.

Also habe ich als erste Amtshandlung den Urlaubstag storniert, bin vormittags ins Büro und dann gemütlich mittags nach Hause – Überstunden abbummeln. So konnte ich in aller Seelenruhe nach dem Mittagessen in Richtung Golfplatz aufbrechen.

Als letzte Spielpaarung des Tages (welch Überraschung) hatte ich mit Frank (Hcp 31, ihn kannte ich schon) sowie Thomas und Ben (Hcp 31 und 29,5, beide kannte ich noch nicht) drei nette Spielpartner zugeteilt bekommen. Und ich habe festgestellt: Ich war in unserer 4er-Truppe der „Low-Handicapper“. Das ist ja mal ein sonderbares Gefühl…

Katastrophenstart zum Wachwerden

Fertig, aber zufrieden nach Runde 1

Mit meinen Hcp 24,9 hatte ich also die „Ehre“ und habe ganz stilecht mit einem getoppten Eisenschlag auf dem Par 3 angefangen. Erdboden, tue dich auf. Die zweite Bahn habe ich dann für eine Lady mit dem Driver genutzt und dachte in dem Moment schon, vielleicht sollte ich einfach krank machen.

Aber es ging anschließend. Ich habe mich darauf besonnen, ruhig zu bleiben und nicht gierig werden ,wenn das Grün „mit einem richtig guten Treffer doch erreichbar“ ist. Lieber ein sicheres mittleres Eisen und auf einen guten Chip hoffen – und siehe da, die Scores wurden langsam besser.

Trotzdem hatte ich irgendwie vom Spiel her kein besonders gutes Gefühl. Zwar konnte ich wenigstens ein Par notieren, aber ansonsten waren es vereinzelte Bogeys, einige Doubles und ein paar Triple-Bogeys. Wie gesagt: gefühlt keine gute Runde und ich habe in der Addition auf irgendetwas um die 115 getippt.

Umso überraschter war ich, dass es am Ende eine 106 geworden ist mit immerhin 29 Nettopunkten – davon war ich gedanklich weit entfernt. Das hieß natürlich das frisch runtergespielte Handicap ging um 0,1 rauf für den nächsten Tag, aber das war auch mehr als verdient und ich bin positiv gestimmt ins Bett gegangen.

Runde 2 am Samstag

In den zweiten Tag bin ich also mit einem Handicap von 25 glatt gestartet und war guter Dinge. Ich kam gut ausgeruht, gefrühstückt und gelaunt am Golfplatz an und freute mich auf die zweite Tour mit meinen drei Spielpartnern. Am Freitag hatten auch Frank und Thomas noch jeweils eine Lady beigesteuert, so dass noch zwei Getränkerunden ausstanden.

Diesmal sind wir kurz vor dem Mittag an Loch 1 gestartet und ich habe mich von Anfang an mit dem Driver sicher gefühlt. Sobald ich aber auch nur mit einem Hauch von Unsicherheit auf einem Abschlag stand, habe ich konsequent den Schläger gewechselt und einen ausgewählt, bei dem das gute Gefühl wieder da war. Am Ende hatte ich 80 Prozent der Fairways getroffen – das gab es bei mir noch nie.

Zweimal muss ich allerdings dem Waldgott danken, dass er ein Einsehen hatte und einen leicht (jaja, ok, weit-weit) verirrten Ball aus dem Wald zurückgeworfen hat. Das hätte ordentlich schief gehen können – aber Glück muss man sich ja auch erst einmal irgendwie erarbeiten.

Verdientes Glück und ein stichelnder Thomas

Dummerweise hatte ich Thomas und Ben auch von meinem „Projekt UHU“ berichtet. Und mein Zähler Thomas sagt mir nach elf-zwölf Löchern, er hätte meine Frontnine zusammengezählt und der Uhu winke schon.

Ich habe die ganze Zeit versucht, genau das zu vermeiden – nicht dran denken, nicht zusammenzählen, nicht rechnen. Ich will es gar nicht wissen.

Aber Thomas grinst nur und sagt nach jedem neuen Loch: „Sieht gut aus mit dem Uhu“. Mistkerl! Aber einer mit Humor, immerhin. 😉

Ich werde netterweise nicht erwähnen, dass er auf unserem vorletzten Loch einen Fünfp… – nein, werde ich nicht.

Nach Loch 18 haben wir uns zusammengesetzt und die Zahlen verglichen – und endlich konnte ich auch addieren. Was soll ich sagen: ich hatte soeben eine 94 gespielt. Mit einer sauberen 45 auf den ersten neun und einer knappen 49 auf den zweiten – zwei Ufuffs (unter fuffzig – aber ihr wisst sicher, was ich meine).

Beim Blick aufs Leaderboard stellte ich erst fest, dass ich nach zwei Runde also auf genau 200 Schläge kam – und mir kam ein Gedanke: wenn ich jetzt noch einmal einen Uhu spiele, dann habe ich sogar einen Uhu-Schnitt. Über so ein Ziel hatte ich vorher gar nicht nachgedacht, aber es klang verlockend.

Runde 3 am Sonntag

Durch die „Wahnsinnsrunde“ vom Samstag und die Chance auf den Uhu-Schnitt war ich am Sonntag noch nervöser als ohnehin schon. Natürlich hatte ich mich durch die 94er Runde ordentlich runtergespielt (auf Hcp 22,6) und irgendwie kam in mir die Befürchtung hoch, dass der Golfgott mir nun sicher die Grenzen aufzeigen wird.

Abgesehen davon wurde ich in die vierte Spielgruppe des Tages gesteckt und hatte mit Jan und Tobias zwei neue, aber genauso nette Spielpartner. Beim Warmmachen hatte ich mich noch kurz mit Trey unterhalten (der Texaner aus Celle,von dem die 10 Unterschiede zwischen Golf in den USA und Deutschland stammen), der am Vortag mit Jan gespielt hatte.

Dass ich wirklich nervöser als sonst war, zeigte sich schon am ersten Abschlag – der ging schräg rechts weg in / durch einen Busch und irgendwo gegen einen Baum. Den ersten provisorischen Ball habe ich dann nach links weit in den Wald gesemmelt und den zweiten provisorischen dann endlich zumindest in Fairwaynähe bringen können. Zum Glück haben wir den ersten Ball dann doch gefunden und ich bin „nur“ mit einem Triplebogey in die Runde gestartet.

Die Aufregung legt sich und das Spiel wird besser

Das hat mich aber geerdet und so habe ich schnell in die Spur vom Vortag gefunden: ruhig und besonnen spielen, Zeit lassen, den Ball vor jedem Putt markieren und reinigen. Das hat tatsächlich geholfen und ich konnte einige Bogeys notieren – leider auch ein Dreiputt-Bogey auf Loch sieben, das mich noch bis Bahn neun beschäftigt hat.

Die Backnine habe ich zum Glück dank eines gelungenen Up’n’Downs mit einem Par beginnen können und war damit endlich wieder zurück im „Flow“. Gegen mein selbst auferlegtes Additionsverbot hatte ich auf dem langen Weg von unserer zehn zur elf bereits verstoßen und wusste, dass ich die Frontnine mit einer 51 beendet hatte.

Das Gute daran war, dass ich mich damit gedanklich vom Uhu-Score verabschiedet habe und dann wieder lockerer geworden bin. Vor allem habe ich mich darauf konzentriert, brauchbar zu scoren und den Ball im Spiel zu halten. Das hat am Ende noch diverse Bogeys und Doppelbogeys gebracht und ein ordentliches Finale.

Wie waren die Clubmeisterschaften 2020 für mich?

Ich kann es kurz machen: Ich habe von meinen drei Zielen vier erreicht. Vor allem Dank meiner starken zweiten Runde musste ich mir keinerlei Sorgen um die rote Laterne machen – in der Endabrechnung habe ich fünf Spieler hinter mir lassen können.

Meine drei Runden – Klick zum Vergrößern

Das zweite Ziel, keine zweistelligen Scores notieren zu müssen, habe ich auch geschafft. Zweimal muss ich mich beim Waldgott bedanken, aber insgesamt habe ich den Ball gut im Spiel gehalten. Mir ist erst nach den Runde aufgefallen, dass ich die Runden zwei und drei jeweils komplett mit einem Ball durchgespielt habe. Das ist bei mir auch eher eine Seltenheit.

Das dritte „wäre-schon-irgendwie-geil-Ziel“ hatte ich ja schon mit Runde zwei erfüllt. Eine 94 bei den Clubmeisterschaften 2020 hätte ich mir im Vorfeld nicht träumen lassen.

Und da ich am Finaltag mit einer 99 gleich noch eine zweite Uhu-Runde nachlegen konnte, habe ich sogar ein nicht formuliertes Bonusziel erreicht: 299 Schläge insgesamt und damit im Schnitt auch unter hundert. Well done, Heidegolfer.

Übrigens

Wenn ich zu oft erwähnt habe, wie gut mir dies oder das gelungen ist, dann liegt das daran, dass ich selbst am meisten überrascht davon bin. Nach mehr als zweieinhalb Jahren Stagnation habe ich plötzlich einen Satz im Spielvermögen (und damit auch im Handicap) gemacht, den ich gar nicht mehr erwartet hätte – seht mir die Euphorie bitte nach. 😉

Achja, die Idee zum Titel des Blogartikels habe ich übrigens Frank zu verdanken, mit dem ich in diesem wie auch schon im letzten Jahr die ersten beiden Runde zusammen spielen durfte. Herzlichen Glückwunsch, Frank, für Dein erreichtes Ziel, die rote Laterne aus dem letzten Jahr jetzt an jemanden anderen abzugeben. Damit kannst Du ruhig ein bisschen angeben – mache ich ja auch. 😀

2 Kommentare

  1. Offensichtlich wirkt es sich positiv aus, dass deine Frau nun mit Golf angefangen hat.

    Anders kann ich mir diesen raketenhaften Leistungsanstieg nicht erklären👍👍👍

    Gratulation!

    1. Danke dir.
      Diesen Zusammenhang hatte ich noch gar nicht hergestellt, aber du hast auffallend recht.
      Vermutlich versuche ich mir noch unterbewusst etwas mehr Vorsprung zu erarbeiten, bevor sie mich dann demnächst im Handicap überholt.. 😊

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