Projekt „UHU“ #23 – Second Drive und First Lady

Die erste Golfrunde nach dem Lockdown ist in den Büchern – und einige meiner Golfbälle irgendwo in der Botanik. Der eine oder andere Drive war nämlich irgendwie … naja, es geht halt deutlich besser.

Besser ein schlechter Drive als gar kein Golf

Natürlich habe ich – stellenweise sogar fleißig – in meinem Garten geübt während der vergangenen Wochen. Ach, was sage ich, Monate waren das ja gefühlt. Beinahe Jahre! Und die ganze kleine Ewigkeit lang konnte ich nur Bälle in ein Golfnetz schlagen.

Trotzdem war da natürlich diese Hoffnung: Könnte das Training im Garten vielleicht sogar etwas gebracht haben?

Heidegolfer-Drive: 1 – Tchibo-Golfnetz: 0

Jetzt muss ich dazu sagen, dass ich anfangs von den Wedges über die langen Eisen bis zu den Hölzern mit allen Schlägern Bälle ins Netz geprügelt habe. Auch der Driver durfte ran, versteht sich, denn ich wollte ja „ernsthaft“ trainieren – also zumindest ein bisschen.

Dann aber hat sich gezeigt, dass sogar einer meiner Slow-Motion-Drives bei einem richtigen Treffer für das arme Netz zuviel war. Ich habe den Ball richtig gut getroffen, ein mehrfaches Klackern gehört und noch ein paar andere Geräusche – aber zu meiner Erleichterung kein Klirren. Und keine Schreie.

Wie dem auch sei – von da an habe ich nur noch die Wedges und vielleicht mal ein 9er Eisen ins Netz geschlagen und vor allem Chippen geübt. Dazu reichten die Zielelemente meines Netzes aus und das kurze Spiel kam bei mir bisher im Training meistens zu kurz (was ein grandioses Wortspiel).

Die Wahrheit liegt neben dem Fairway

In Niedersachsen durften wir also am 6. Mai 2020 erstmals wieder auf den Golfplatz und ich hatte für meinen Golfbuddy Daniel und mich die zweite Teetime des Tages ergattern können: 7.20 Uhr standen wir auf Tee 1 im Golfclub Herzogstadt Celle und sind gestartet. Was für ein geiles Gefühl.

Ich habe wie eigentlich immer mit einem Eisen abgeschlagen und Daniel hat – wie eigentlich auch immer – direkt den Driver gezückt. Das kann er beruhigt machen, denn Daniels Drives sind zwar nicht lang, aber fliegen ziemlich flach, rollen ohne Ende aus und sind fast immer gerade. Das nervt, kann ich euch sagen… 😉

Morgens um kurz nach sieben ist die Welt noch in Ordnung

Insgesamt war unser Spiel „mittelgut“, aber ich habe wenigstens ab und zu mal das Golf-Genie durchblitzen lassen, das irgendwo ganz tief in mir schlummert (da bin ich mir ganz sicher). In der restlichen Zeit – also mehr oder weniger die ganze Runde über – haben wir beide unser solides „macht-richtig-Spaß-aber-geht-bestimmt-noch-besser-Golf“ gezeigt.

Ich habe Osterhase gespielt und einige Bälle für nachfolgende Gruppen neben den Fairways versteckt. Meine zweiten Abschläge hingegen waren dann dafür umso besser: sanfte Fades und eine für meine Verhältnisse ordentliche Länge.

Ich habe sogar drei Par 4 „in regulation“ angespielt (eins davon regulär, zwei ab dem zweiten Abschlag gerechnet – also theoretisch). Das gehört für mich als Shorthitter eigentlich nicht zu meinen Gewohnheiten, ich will also sagen, ich bin scheinbar ein bisschen länger geworden.

Es braucht dringend den „Second Drive“

Daniel und ich haben schon während unserer Runde eine Idee geboren. Wir möchten nämlich der R&A und der USGA eine klitzekleine Regelanpassung vorschlagen: Man sollte (von mir aus auch nur beschränkt auf Amateure) einen Second Service einführen.

Beim Tennis klappt das ja schließlich auch – und deren Ball ist viel größer und der Platz längst nicht so lang. Die haben es also eigentlich viel leichter und trotzdem dürfen Federer, Nadal, Zverev und Co ein zweites Mal aufschlagen, wenn der erste in die Grütze geht.

Stellt Euch das einfach einmal vor: Ihr steht am ersten Tee und greift beherzt zum Driver, weil „Scheißegal!“ – Ihr könntet ja zur Not noch einen zweiten Ball straflos mit einem mittleren Eisen hinterherschubsen.

Von mir aus können wir uns auf ein Limit pro Runde einigen. Sechs aus 18 oder sowas. Ich habe ein offizielles Mulligankontingent für 18 Loch und muss mir das einteilen.

Ich finde die Idee großartig. Zumindest im Rückblick meiner Mittwochsrunde (und speziell unseren Backnine) hätte mir ein Second Service einiges „Leid“ erspart. Alleine auf der 14, 15, 16 und 18 hatte ich vier richtig gute Abschläge – nur eben jeweils mit dem zweiten Drive.

Ich weiß, ich weiß – Tradition und so. Aber denkt einfach mal in Ruhe drüber nach, vielleicht können wir ja gemeinsam eine Bewegung ins Rollen bringen. Online-Petitionen sind gerade ganz en vogue, da könnte was gehen, glaube ich.

Ansonsten muss ich mir nämlich doch wieder einen neuen Pro suchen und ich weiß nicht, ob sich noch jemand an den Heidegolfer herantraut. Drei Kerben habe ich schon im Driver – wer mag sich da als vierter Kandidat schon freiwillig ins Unglück stürzen…?

Ganz anderes Thema: meine First Lady!

Ja, die Überschrift dieses Berichtes ist leicht irreführend. Ich habe auf meiner ersten Post-Lockdown-Runde gar keine Lady geschla … oh, Moment, doch. Ich habe auf meiner ersten Post-Lockdown-Runde auch meine erste Post-Lockdown-Lady geschlagen – auf Loch 9. Also Daniel, falls Du das hier liest: das Bierchen folgt…

Aber darauf wollte ich eigentlich gar nicht hinaus. Mit „First Lady“ ist meine beste Ehefrau der Welt gemeint. Ich hatte ja berichtet, dass die Heidegolferin die Platzreife macht – und jetzt hat sie bestanden!

Nachdem meine Liebste am letzten Tag vor dem Golf-Lockdown noch eine 9-Loch „Proberunde“ gespielt hat, wurde ihr mitgeteilt, dass sie soeben erfolgreich die praktische Platzreifeprüfung abgelegt hat.

Das war Mitte März bei uns noch auf Wintergrüns, deshalb bekommt sie zunächst kein Handicap – aber bestanden ist ja bestanden.

Jetzt fehlte also nur noch die Theorieprüfung und die hat sie am zweiten Tag nach dem Lockdown nachgeholt. Ein einzelnes kleines Fehlerchen, sonst alles richtig – ich bin so stolz. Und sie erst.

Ab jetzt können wir – theoretisch – gemeinsam die Plätze unsicher machen. Wenn unsere Tochter dann wieder regelmäßig zu Oma kann oder ihre Freundin besucht, werden wir das auch machen. Und darauf freue ich mich viel mehr als über einen langen, geraden Drive – völlig egal, ob first oder second.

2 Kommentare

  1. Hallo Olaf.
    Den Stolz über „die Heidegolferin“ kann ich gut verstehen. Nichts ist schöner als mit der golfinfizierten Partnerin gemeinsam die Fairways *hüstel* unsicher zu machen. Auch die Gespräche zu Hause werden sich verändern, das Thema Golf wird aufgewertet. Allerdings gibt es auch kleine Fallen in die man schnell tappt. Also sei nicht zu kritisch, und wenn Du nicht weißt ob Du was zum Spiel der Holden sagen sollst, schweige. Ich spreche da aus Erfahrung. Zwischenzeitliche Irritationen sind normal. Wenn beide golfinfiziert sind gibt es nichts Schöneres, vor allem wenn sie Dir in der Spielqualität nahe kommt. Die Freude erweitert sich ständig. Schönes Spiel Euch beiden.

    1. Ja, unsere erste gemeinsame Runde (9 Loch) war schön und gleichzeitig für mich sehr lehrreich.
      Zum einen war ich wahnsinnig abgelenkt, weil ich mich einfach nur gefreut habe, mit ihr unterwegs zu sein und gleichzeitig total nervös, sie zu stören oder sie zu nerven, dass ich mich null auf kein Spiel konzentrieren konnte. Ende von Lied war, dass ich mehr Bälle verloren habe als sie…
      Zum anderen habe ich schnell gemerkt, dass ich ihr gerne helfen möchte, der Grat zwischen Hilfe und Irritation /Störung aber sehr schmal ist…
      Das wird sicher beim zweiten Mal besser. Beides, hoffe ich…

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