Projekt „UHU“ #029 – Ich bleibe doch lieber beim Amateurgolf

Ich habe eine Grundsatzentscheidung getroffen: Ich will doch lieber kein Profi-Golfer werden. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber ich will euch gerne begründen, wieso ich dann doch lieber beim Amateurgolf bleibe.

1) Ich schlafe gerne neben meiner Frau ein

Beim Amateurgolf habe ich den großen Vorteil, dass ich nicht soviel um die Welt reisen muss. Gerade bei der European Tour passt der Name inzwischen kaum noch zum Verbreitungsgebiet. Es finden zwar auch ein paar Turniere in Europa statt, aber genauso tummelt sich die Tour im Nahen Osten, ist auf dem afrikanischen Kontinent zu Gast und kurzzeitig sogar in Asien unterwegs.

Amateurgolf spielt nicht im Nahen Osten

Spätestens bei Erreichen der Top 50 in der Welt müsste ich dann auch zwangsläufig für die WGC-Turniere und drei der vier Majors regelmäßig über den Atlantik fliegen. Das würde zusätzlich Wochen von zuhause weg bedeuten und ehrlich gesagt würde ich meine Frau und meine Tochter viel zu sehr vermissen.

Da lobe ich mir das entspannte Leben als Hacker beim Amateurgolf, wo ich vielleicht mal ein-zwei Stunden Autofahrt für einen besonderen Golfplatz habe. Zu ganz besonderen Anlässen bin ich vielleicht einmal für eine Nacht unterwegs. Aber ansonsten sind viele Plätze mehr oder weniger in Tagestour-Entfernung zu erreichen und ich kann meine Liebsten spätestens am Abend wieder in die Arme schließen. Für mich ein klares Argument pro Amateurgolf.

2) Ich will den Groupie-Massen aus dem Weg gehen

Bislang führe ich ja nur diesen kleinen, bescheidenen Blog hier mit diversen Abonnenten und regelmäßigen Lesern (vielen Dank dafür). Dazu kommen weitere Fans auf der Heidegolfer-Facebook-Seite, eine ansehnliche Zahl von Followern auf dem Heidegolfer-Instagram-Account und immer mehr Abonnenten meines Youtube-Kanals.

Das hat schon das eine oder andere Mal dazu geführt, dass ich tatsächlich auf einem Golfplatz erkannt worden bin. Mich freut es immer sehr, wenn das passiert und ich unterhalte mich dann gerne kurz mit der betreffenden Person. Immerhin teilen wir die Leidenschaft Golf und solch eine Begegnung kommt bislang wirklich noch ausgesprochen selten vor.

Aber denken wir doch einfach mal ein paar Profi-Siege weiter. Dann schaut die Sache schon ganz anders aus. Vermutlich wird man regelmäßiger erkannt und ich kann mir vorstellen, dass es dann irgendwann auch – entschuldigt bitte die Denkweise – ein wenig stressig werden kann.

Junge Frauen und Männer, die sich einem zu Füßen werfen, nur weil man ein paar weltweite Siege und etliche Millionen Preisgeld eingefahren hat – ich stelle es mir zeitweise recht anstrengend vor. Das sind die Momente, in denen ich Mitleid mit den Profis habe und mein Wunsch nach mehr Privatsphäre das Amateurgolf für mich doch attraktiver erscheinen lässt.

3) Ich langweile mich schnell beim Trainieren

Ein entscheidender Faktor ist ein ganz anderer: Ich habe es hier und da schon einmal erwähnt, dass ich nicht der Trainingsfleißigste bin. Hätte meine Heidegolferin nicht die Platzreife gemacht, dann hätte ich vermutlich im ganzen Jahr 2020 ziemlich genau null Mal auf dem Übungsgelände gestanden, ohne anschließend eine Runde zu spielen.

Es ist nicht so, dass es mir keinen Spaß macht, eine Stunde lang zu pitchen oder eine Dreiviertelstunde im Bunker zu verbringen. Um ehrlich zu sein langweilt es mich nach viel kürzerer Zeit schon enorm. Ich halte das stupide Wiederholen von Schlägen selten länger als 10-15 Minuten aus und bin viel lieber auf dem Platz unterwegs.

Wenn ich schon die Zeit finde, die Schläger einzupacken, dann will ich auch spielen. Profis sind unglaublich akribische, fleißige Arbeiter und ich finde es ehrlich gesagt ganz ok, auch mal ein paar Wochen lang nix zu tun. Wieder ein Argument pro Amateurgolf.

4) Wohin mit dem unfassbar vielen Geld?

Gerade das Sponsorengeld ist ein echtes Problem, das viel zu gerne totgeschwiegen wird. Erst hat man als Neuprofi Schwierigkeiten, an gute Sponsoren zu kommen und wenn dann die Karriere Fahrt aufnimmt, wird man mit Geld nur so zugeworfen und kommt damit oft nicht klar. Es heißt ja nicht umsonst „Geld verdirbt den Charakter“.

Ich bewundere Tiger Woods, Rory McIlroy, Martin Kaymer und Co natürlich in erster Linie für ihr unglaubliches Golfspiel. Aber genauso bewundere ich, dass sie (scheinbar) nicht diesem Fluch erlegen sind und sich wegen des vielen Geldes zu kompletten Arschl… – äääääh, ich meine, dass sie charakterlich immer noch sehr solide wirken.

Gerade weil ich in einer Bank arbeite kenne ich außerdem die vielen anderen Probleme, die viel Geld mit sich bringen: Wie soll man es anlegen? Wie vermeide ich Strafzinsen? Wem kann ich mit meinen Millionen überhaupt noch trauen? Ganz ehrlich: das will ich nicht. Solange ich beim Amateurgolf bleibe, schütze ich mich vor dieser Büchse der Pandora an Problemen.

5) Golfplätze im Tour-Setup spielen sich verdammt hart

Die vier ersten Punkte hätte ich ja vielleicht noch in Kauf nehmen können auf dem Weg in den Golfolymp – ein paar Opfer muss man schließlich bringen.

Aber dann habe ich zwei Tage nach dem Finaltag der Porsche European Open 2021 eine Runde Golf auf dem Porsche Nordkurs von Green Eagle gespielt. Ich muss ehrlich zugeben: Golf auf einem Platz im Tour-Setup ist harte Arbeit – also wirklich richtig, richtig harte Arbeit.

Es ist unheimlich anstrengend, so einen Golfplatz zu spielen, weil aber auch wirklich alles getan wird, um dir das Leben schwer zu machen. Die Fairways sind enger, das Rough ist höher und die Grüns sind sauglatt.

Versteht mich nicht falsch: Es hat richtig Spaß gemacht, den Nordkurs zu spielen. Übrigens war ich zusammen mit Mathias unterwegs, der Stimme der PEO2021 und Host eines meiner Lieblings-Golf-Podcasts Shankdotcom. Aber ich habe eben auch acht Bälle verloren und einen Score von +40 nach Hause gebracht.

Das ist gar nicht so weit weg von manchem Profi bei dem Turnier – auch wenn deren Score über Par in mehreren Runden zustande gekommen ist. Aber die Zahl an sich war ähnlich und ich schaffe sowas halt schon in einer Runde. Muss man auch erstmal hinkriegen…

Jetzt aber ganz offiziell

Ich bin gerne spätestens abends zuhause, ich mag ein paar nette Kontakte und nicht zu viele, ich kann mit zu großem Reichtum nichts anfangen und ich mag mein Sofa lieber als das Chippinggrün. Vor allem aber kann ich mir als Amateurgolfer aussuchen, auf welchen Golfplätzen ich spiele.

Also ganz ehrlich: So ist es viel weniger anstrengend. Deshalb kann ich hiermit ganz offiziell verkünden: Ich nehme Abstand davon, Profi-Golfer zu werden. Und Heidegolfer-Autogrammkarten könnte ich ja trotzdem drucken lassen, falls jemand welche haben möchte. 😉

7 Kommentare

  1. Olaf, du hast dich wirklich entschieden kein Profi zu werden? Mal sehen ob ich dann noch die 500 km Reise nach Celle mache. Habe immer gedacht dass ich mit ein Profi Runden spiele ……. 😂
    Aber Spaß beiseite, hoffe schnell wieder rüber zu kommen. 🌞😎

  2. Hallo Jörg
    Ich liebe diesen Kommentar. Glaube mir, wir werden noch als Gruftis eine Runde zusammen spielen. Leider muss ich erst noch meine Knieoperationen hinter mich bringen.
    Bis bald – Klaus

  3. Hahaha, du hast echt nen Knall und wir freuen uns riesig auf die Runde morgen. Als Profi Golfer wäre das auch nie zu Stande gekommen, da wir uns ja gar nicht trauen würden mit so einem guten Spieler auf die Runde zu gehen. Mal ganz davon abgesehen das du gar keine Zeit gehabt hättest, da du jetzt wahrscheinlich in München wärst.
    Also ein Hoch auf den Amateursport :D.
    Bis morgen 🙂

    1. Moin Jörg,
      du hast recht, das ist ein weiteres gutes Argument, mich gegen eine Profi-Karriere zu entscheiden: wann hätte ich sonst Gelegenheit, mich mit Instagram-Bekannten zu treffen und einfach mal gemütlich eine runde Golf zu spielen.
      Nenene, das Leben als Amateur ist doch so viel angenehmer…
      Ich freu mich auch aufs Treffen. 😁

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