Matthias an der Algarve – Teil 2

Nachdem Matthias in Teil eins seines Golfurlaub an der Algarve schon von drei Plätzen berichtet hatte, hier nun auch Teil 2. Taschentücher raus, es bleibt herzzerreißend…

Tag 4, Lissabon

Der erste Erfolg des Tages stellt sich um 7:09 Uhr ein: der Alfa Pendular läuft auf die Minute pünktlich im Bahnhof von Loule ein, diese Wette habe ich gewonnen.

Lissabon ist einen Ausflug wert

Da auch der Komfort in der ersten Klasse und das Frühstück am Platz die Erwartungen erfüllen und für den Preis – 35 Euro Sparpreis hin und zurück von der Algarve nach Lissabon, erster Klasse wohlgemerkt – sowieso, haben wir bis hierhin schon mal alles richtig gemacht.

An diesem Gefühl wird sich den ganzen Tag über nichts mehr ändern. Die Hauptstadt ist wirklich so schön wie alle behaupten.

Wer also ohnehin schon in Portugal weilt und überlegt, einen Golftag für einen Besuch Lissabons zu opfern: machen! Und gerne von Faro, Loule oder Albufeira aus den Zug nehmen. Ihr werdet beide Entscheidungen nicht bereuen.

Tag 5: Vale do Lobo, Ocean Course

Gibt es für Golfspieler eigentlich auch so schöne Bändchen und Schlüsselanhänger wie für anonyme Ex-Alkoholiker? Ja? Super. Kriege ich eines in babyblau? Oder weicheiweiß? Ich bin nämlich zwischenzeitlich über 30 Golflöcher lang driverfrei.

Da entlang zum Ocean Course

Die Verunsicherung sitzt tief. Und dass die Driving Range in Vale do Lobo, trotz ihres Namens, für Driving nicht vorgesehen ist, macht es nicht besser. Sie ist gerade einmal 135 Meter lang, direkt dahinter das Chipping Green.

Ich sinniere über einen passenderen Namen, schwanke noch zwischen ‚Iron Range‘ und ‚Irony Range‘.

Die Probeschwünge am ersten Tee fühlen sich an, als hätte ich statt des Drivers eine Angelrute in der Hand, oder eine Ringelnatter, oder eine Dance Pole. Irgend so was langes schmales, von dem ich nicht die geringste Ahnung habe, was ich damit anfangen soll.

Holz 1 wandert also vorerst ungenutzt wieder zurück ins Bag und mein Schlägerhäubling Papa Schlumpf grinst sich einen in seinen Bart.

Dann kriegt er zur Abwechslung mal nicht alle zehn Minuten den Driver aus dem Popo gezogen, sondern sitzt entspannt und unbehelligt am höchsten Punkt des Bags und genießt mit perfekter Aussicht bei offenem Verdeck die Rundfahrt über die Front Nine des Ocean Course.

Es geht ja doch – manchmal

Erst an der 11 ist die Bahn mal breit genug für einen Rückfall, zumal der kräftige Gegenwind nach einer flachen Flugkurve verlangt. Ich bin hibbelig wie bei der Platzreifeprüfung, dennoch treffe ich den Ball perfekt und genieße die wunderschöne Kombination aus sattem Sound und schnurgeradem, flachem Ballabflug, die mich über die Jahre so tief in die Holz-1-Sucht hat abgleiten lassen.

Genau deshalb „Ocean Course“

Ich hätte es mal besser bei diesem kleinen Glücksmoment belassen, aber unbelehrbar wie jeder Junkie übertreibe ich sofort wieder die Dosierung. Und so kommt es, dass schon auf der Zwölf, nach einem weiteren Griff zu Papa Schlumpfs Mageninhalt, mein Ball wieder da liegt, wo er in diesem Urlaub offenbar hinzugehören glaubt: tief in der Botanik.

So geht mein Spiel im Walzertakt – zwei Fortschritte, ein Rückschritt – über die Back Nine. Ich erfreue mich am wunderbaren Course Layout, den vielen tollen Blicken auf den namensgebenden Ozean, der heute vergeblich auf meine Bälle wartet, und an der Märzsonne, die trotz stetigem Wind erstmals in diesem Urlaub kurzärmliges Golf erlaubt. Und die Fehlschläge werden schnell vergessen. Fehlschläge? Welche Fehlschläge?

Tag 6, Espiche Golf

„Kopf hoch, Jungs. Klar war das heute nicht unser bestes Spiel, und vielleicht hätten wir ein-zwei Tore weniger kassieren können. Aber die anderen Deutschen sind ja auch nicht besser: der Matthias hat heute in Espiche auf 18 Loch sieben Bälle verballert.“

Ein lohnenswerter Ausflug

Kopfnicken in der Schalker Kabine wenige Minuten nach dem unglücklichen Ausscheiden in der Champions League bei Manchester City, mal wieder hat Domenico Tedesco die Situation als erstes realistisch eingeordnet.

Durchatmen bei den Spielern, hier und da ist sogar ein erleichtertes Lachen zu hören. Und dann spricht Ralf Fährmann aus, was alle denken: „Oh Gott. Sieben Stück? Das ist hart. In dessen Haut möchte ich heute nicht stecken.“

Leider hat sich diese Kabinenansprache so nie zugetragen. Leider sind die Schalker Spieler mit dem quälenden – und falschen! – Gefühl zurückgeflogen, an diesem Dienstag seien sie die größten Trottel des deutschen Ballsports gewesen.

Denn ausgerechnet an dem Abend, an dem eine einzige Whatsapp-Nachricht von mir an Domenico die Situation komplett hätte entschärfen können, an dem ein an die Bildzeitung geleaktes Foto meiner Scorecard vermutlich das Schalker Ausscheiden von der morgendlichen Titelseite verdrängt hätte, kurz: an dem Abend, an dem der deutsche Fußball mich am dringendsten gebraucht hätte, bin ich nicht für ihn da.

Ein Ausflug, der sich gelohnt hat

Stattdessen bin ich bei Chrissy’s in Lagoa, wo wir ein grandioses 4-Gänge-Menü genießen. Das Carpaccio kommt ähnlich fachmännisch filetiert daher wie 1500 km weiter nördlich der FC Schalke 07, Gündogans und Sanés Pässe zerschneiden die königsblaue ‚Abwehr‘ ähnlich mühelos wie ich mein Filetsteak.

Espiche in voller Schönheit

Ich muss lange zurückdenken, wann ich zuletzt ähnlich gut gegessen habe. Und am Ende zahlen wir inklusive aller Getränke 40 Euro pro Person. Der Abstecher 70 km die Küste entlang nach Espiche hat sich damit gleich doppelt gelohnt.

Denn auch der Platz ist die weite Anreise wert. Er ist nicht so saftig grün wie die Plätze von Vilamoura oder Vale do Lobo, aus zwei Gründen: zur Abwechslung liegen die Fairways mal nicht im Tal und an der Küste, sondern ziehen sich moderat bergauf und bergab über einem Hügel, auf dessen Gipfel das sehr einladende Clubhaus thront.

Hier oben ist Wasser ein noch rareres Gut. Außerdem verzichtet Espiche auf den Einsatz von Dünger und sonstiger Chemie. Die Fairways sind also ein bisschen trockener, aber dennoch gut zu spielen, und die Grüns etwas stumpfer, aber immer noch treu.

Ein schwieriger Platz

Bleibt noch das Layout: das ist deutlich schwieriger als auf den anderen Plätzen, die Bahnen sind ein bisschen enger, und Fehlschläge liegen nicht irgendwo chipbar unter den Bäumen, sondern verschwinden auf Nimmerwiedersehen im hüfthohen Gebüsch.

Es wird schwieriger

Auch der stete Wind hier oben macht es nicht einfacher. Fehler werden also strenger bestraft und auf die habe ich mich in diesem Urlaub bekanntlich spezialisiert.

Ich bin schon gedemütigt genug, um in den meisten Situationen auf den Driver zu verzichten. Selbst das 3er-Holz bleibt ziemlich oft im Bag. Doch meine spielerischen Probleme liegen tiefer als die von Schalke.

Nach dem vielen Try und noch mehr Error der letzten Tage habe ich gar kein Vertrauen mehr in meinen Schwung. Die Hybrids fliegen zwar fast immer schnurgerade, aber starten eben nur sporadisch in die vorgesehe Richtung.

Wenn mein Kompass mal wieder funktioniert, würde ich gerne wiederkommen. Espiche ist genau die Art Golfplatz, die ich letzten November rund um Marbella gesucht, gemeistert und genossen habe, und auf denen ich üblicherweise am meisten Spaß habe. See you later, Zicke!

Vale do Lobo, Ocean Course II

Zum Abschluss beehren wir noch einmal den wunderbaren Ocean Course mit unserer Anwesenheit. Also die anderen beiden – bei mir bin ich mir nicht ganz so sicher, wie geehrt er sich fühlt.

Was für eine Kulisse

Immerhin habe ich mich auf meiner spielerischen Schräglage inzwischen halbwegs eingependelt, so dass an etlichen Bahnen ganz passable Bogeys herausspringen.

Als es zwischendurch mal vier in Folge sind, lobt mich unser kanadischer Holzfällerschaffnerfreund, der uns in Vale do Lobo auf allen drei Runden begleitet hat, mit aufrichtiger Freude.

Ich danke ohne jeden Sarkasmus, denn tatsächlich kann man meine Golfwoche wahrscheinlich nicht besser auf den Punkt bringen als damit, dass jemand, der mich vorher nie hat spielen sehen, an ihrem Ende eine Reihe von Bogeys als erfreulichen Leistungssprung empfindet.

Noch etwas wird mir bewusst, gerade weil gestern in Espiche der Platz (verständlicherweise!) ein bisschen trockener war: wir haben in Vale do Lobo und Vilamoura 5 Runden auf durchweg fantastisch gepflegten und saftig grünen Plätzen gespielt.

Das ist keineswegs selbstverständlich und bestärkt mich in der Überzeugung, dass ich hier nicht zum letzten Mal war. Vor allem: wie viel Spaß werde ich auf diesen Wiesen wohl erst haben, wenn meine Lieblingsschläge mal wieder halbwegs klappen?

Obrigado Algarve!

Epilog:

Samstag (nach portugiesischer Zeitrechnung Tag 10):

Über München tobt ein Fönsturm, was den einen oder anderen Abzug in der B-Note erklärt. Trotz der widrigen Bedingungen gehorcht der Driver, als wäre nie etwas zwischen uns gewesen; auch das Dreierholz stemmt sich verlässlich gegen den Wind. Ich spiele 36 Loch auf dem zugegebenermaßen eher leichten Heimatplatz und notiere innerhalb von sieben Stunden vier Birdies, eins mehr als zuvor in Portugal in sieben Tagen.

Sonntag, Tag 11:

Der Sturm hat sich gelegt, Kurzarmwetter in Maxlrain. Heute ist auch die B-Note sehr zufriedenstellend. Die Drives sind lang und gerade und Mitte Fairway und locker aus dem Ärmel.

Crazy little thing called Golf.

Hier noch die Bildergalerie von einer Woche Golf an der Algarve:

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