Matthias an der Algarve – Teil 1

Matthias war wieder einmal im Golfurlaub und hat den nächsten Bericht verfasst. Diesmal war es die Algarve, die er sich als Urlaubsort ausgesucht hat. Hier ist Teil 1 seines Reiseberichtes – oder anders ausgedrückt:

„Wir schalten jetzt zu unserem Kollegen an der Algarve. Matthias, wie ist die Lage vor Ort?“

Tag 1: Vilamoura, Dom Pedro Pinhal

Wer bisher nicht wusste, was ‚Pinienwald‘ auf Portugiesisch heißt, für den bietet der Golfplatz Pinhal eine 18 Löcher währende Eselsbrücke. Pinien links, Pinien rechts und gelegentlich auch geradeaus. Ich freue mich über jeden Baum, der mitten im Fairway steht. Dort besteht heute wenigstens keine Gefahr, dass er für mich ins Spiel kommen könnte.

Mein Ball verhält sich nämlich wie Kapitän Marko Ramius auf Schleichfahrt: in (erschreckend) regelmäßigen Abständen ändert er abrupt mitten in der Luft die Richtung. Und für den Beobachter ist es unmöglich zu prognostizieren, ob der ‚Irre Iwan‘ nach links oder rechts erfolgen wird.

Ursachen- (Ausreden-) -Forschung

Ob diese Streuung daran liegt, dass sich meine seitlichen Bauchmuskeln nach drei strapaziösen Snowboard-Tagen unmittelbar vor dem Golfurlaub eigenmächtig einen Tag Erholungsurlaub genehmigt haben?

Die eine oder andere Pinie ist zu sehen

Daran, dass dies meine erste richtige Golfrunde seit 4 Monaten ist?

Daran, dass ich nach drei Stunden Schlaf früh um halb vier aufgestanden bin?

Daran, dass ich elf neue oder fast neue Schläger im Bag habe?

Oder daran, dass ich meine letzte Mahlzeit morgens um acht am Flughafen hatte und sich inzwischen die Nachmittagssonne über den Pinhal legt? Ich habe keine Ahnung. 

Aber ich empfinde tiefes Mitgefühl für meinen Ball, dass er sich derart malträtieren lassen muss, und kann gut verstehen, dass er an jedem zweiten Loch versucht, mir links oder rechts ins Unterholz zu entwischen.

Immerhin: ich mache ungefähr zehn richtig geile Schläge mit dem Driver – allerdings nur drei davon vom Tee. Die anderen sieben sind flache Hundertfünfzigmeterhoppler unter den Bäumen hindurch zurück auf die Spielbahn.

Dass ich am Ende fast noch Bogeygolf zusammenkratze, liegt weniger an guten Schlägen als an guten Augen, denn egal wohin sich der Ball auch verzieht: ich finde ihn wieder.

Tag 2: Vale do Lobo, Royal Course

Sollten die Venus Awards auch in der Kategorie Golf Porn vergeben werden, dann ist diese Bahn vermutlich Portugals Wettbewerbsbeitrag. Und zwar every fucking year.

Matthias hart im Wind

Links unter uns brandet der Atlantik an einen breiten, schönen Strand, dahinter erheben sich rote Sandsteinklippen und oben auf diesen liegt saftig grün und sagenhaft gepflegt eine nicht nur wunderschöne, sondern auch richtig lange schwere Golfbahn.

Zumindest für ein Loch ist das hier Pebble Beach für Leute, die nur 3 statt 12 Stunden fliegen wollen.

Auf der höchsten der Klippen stehe ich im Wind, steife Brise von Steuerbord, schräg von vorn, und rekapituliere meine Situation. Zwischen dem weißen Abschlag und dem Grün liegen 195 Meter Klippen, Abgründe und ein Bunker.

Zwischen unserer Ankunft auf dem Platz von Vale do Lobo, Royal Course, früh um Viertel vor Sieben, und dem Erreichen dieser berühmten Bahn 16 liegen für mich persönlich gut dreieinhalb Stunden enttäuschter Erwartungen und ausgewilderter Golfbälle.

Immerhin: ich bin ausgeschlafen, satt, und der Bauchmuskelkater lässt auch nach. Damit ist die quälende Frage von gestern nach den Gründen beantwortet: ich bin wohl einfach ein scheiß Golfspieler.

Der erste Ball war schlau

Was für eine Kulisse

Mein treuer Begleiter, der gestern 91 mal auf sich hat einprügeln lassen, hatte heute offenbar etwas besseres vor und hat den Platz gleich auf der eins durch den Notausgang wieder verlassen. Direkt vom Tee ein Irrer Iwan nach links und ab durch die Hecke. Vielleicht hätte ich es ihm nachtun sollen.

Stattdessen hangele ich mich ab sofort weitestgehend mit dem Holz 3 die Bahnen nach vorne. Dadurch werden zwar Schwung und Schlaggefühl nicht besser, aber zumindest bleiben die Pullhooks und Monsterslices fortan zumeist innerhalb der Platzbegrenzungen. Schade, denn Layout und Zustand des Platzes hätten einen besseren Matthias verdient.

In manchen Kritiken hieß es, Vale do Lobo Royal sei ein recht langweiliger Platz mit nur einem spektakulären Ausreißer. Können wir alle nicht bestätigen. Der 15 Löcher lange Weg zur Klimax auf den Klippen macht ebenso viel Spaß wie das zwei Löcher währende Nachspiel.

Der kanadische Holzfäller

Heute werden wir von einem äußerst rüstigen Kanadier begleitet. Als wir später auf der Terrasse sitzen und die Runde bei einem Bierchen ausklingen lassen (in meinem Fall: verarbeiten…), da kommt die Sprache auch auf die Berufe. In seinem Fall Exberuf, denn er ist seit einigen Monaten pensioniert.

Abschlag von weiß ins Tal

Was er gearbeitet hat? Ich bin ziemlich enttäuscht, dass die Antwort nicht Holzfäller lautet, denn: Was! Für! Ein! Hieb!

Während drei Singlehandicapper aus Germany mit einem Durchschnittsalter um die 40 den Platz von gelb spielen, zimmert ihnen ein 64-jähriger ehemaliger Schaffner aus Übersee die Bälle von weiß um die Ohren.

Die 30 Meter extra macht er in der Regel schon vom Abschlag wett. Wobei ich ohnehin keine Konkurrenz bin, schließlich betrete ich heute die Abschlaghügel nicht zum Golf spielen, sondern schicke auch mit meinem Dreierholz die Bälle in eine Kunstflugvorführung.

An der 16 ist die Situation vertrackt. 206 Meter zur Fahne, knapp 195 carry, um auf das Grün zu kommen, mindestens 175 m carry, um wenigstens die Klippen hinter sich zu lassen und sich in den Grünbunker zu retten.

Angesichts der Windrichtung und Windstärke eigentlich ein klarer Fall für den Driver, aber: da war doch was. Zu meiner eigenen Überraschung entscheide ich mich für den vernünftigen Schlag, ziele mit dem Holz 3 weiter nach rechts, von den Klippen weg. Doch ich überdrehe den Schlag – von wegen sichere Seite. Majestätisch steigt der Ball in die Höhe und fliegt perfekt in Richtung Fahne. Er wird doch wohl nicht etwa…

Doch, er wird. Wenige Meter vor dem rettenden Bunker entscheidet er sich, dem Elend ein Ende zu machen, verschwindet zwischen den Klippen, hoppelt in Richtung Strand, und wenn er gut durchkommt, ist er jetzt vielleicht schon auf halbem Weg Richtung Gibraltar.

Also, wenn Ihr nächsten Monat in Belek einen Vice Pro plus, Nummer 4, Logo ‚MJN‘, aus dem Mittelmeer zieht: behandelt ihn gut. Er hat schlimme Dinge gesehen.

Tag 3: Vilamoura Dom Pedro, Old Course

Der Old Course

Lieber Leser. Viele Grüße aus Portugal. Das Wetter ist sehr gut. Heute waren wir am Hafen, das war total schön. Da waren ganz viele große teure Boote. Dann waren wir noch am Strand und haben etwas getrunken. Golf haben wir auch gespielt. Grüße, Matthias.

Viel mehr wollte ich über den dritten Golftag zwischenzeitig lieber nicht berichten. Schließlich wollte ich Euch nicht schon wieder mit so einer depressiven Jammergeschichte den Tag verderben, voller verzogener Drives, Maulwürfe in Lebensgefahr und anderer erschütternder Details.

Ich stand also kopfschüttelnd an der 13 links im Unterholz auf der Suche nach einer Lücke für meinen Ball oder alternativ einem Erdloch für mich und hatte meinen Text quasi fertig.

Dann kam die 14 und ein schön herausgespieltes Par, ein Birdie auf der 15 und zum Schluss drei Bogeys, die sich besser angefühlt haben als sie auf der Scorecard aussehen. Und plötzlich war die Runde überhaupt nicht mehr schrecklich, zumal auch die ersten sechs Bahnen – rückblickend – mit 3 über eigentlich gut waren.

Verarbeitung bei einem Kaltgetränk

Und so nuckele ich später an der 19 mit der Welt versöhnt an meinem Bier und spüle die sieben gruseligen Löcher im Mittelteil Schluck für Schluck aus meinem Langzeitgedächtnis.

Ein perfekt vorbereiteter Golfplatz

Ich hoffe allerdings, dass ich mich an den Platz demnächst immer noch erinnern kann. Denn der Old Course von Dom Pedro Vilamoura ist aktuell, wie die anderen beiden bisher gespielten Plätze auch, in einem prima Zustand.

Und auch diesmal konnten wir, wie an den beiden Tagen zuvor, ohne trödelnde Vorderflights über den Platz cruisen und waren als Dreierflight, mit Startzeit zur Prime Time um halb elf, in 3:45 wieder zurück. Per pedes.

Allerdings – im Vergleich zum ähnlich teuren Vale do Lobo Royal finde ich den Dom Perdo Old Course eigentlich zu unspektakulär. Irgendwie brav und gezähmt. Wenig wilde Berg- und Talfahrten, eigentlich nur ein Abschlag, der so knifflig ist, dass der Puls in die Höhe geht (die 12, ein Par 5 mit Dogleg und einer Drivelandezone so schmal wie Jim Furyk).

Nicht, dass ich in meiner Tagesform unbedingt einen schwierigeren Platz benötigt hätte. Vielleicht hätte ich einfach gerne eine weitere gute Ausrede gehabt…

To be continued. Freut Euch schon auf den zweiten Teil (inkl. Bildergalerie).

 

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