Matthias in Marbella – Protokoll einer Golfreise Teil 1

Matthias ist im November an die Costa del Sol gereist, um den kalten, rauhen Novemberwetter zu entfliehen – theoretisch, wie sein Reisebericht zeigt. Hier findet Ihr den ersten von zwei Teilen. Wenn er Euch gefällt, lasst gerne einen Kommentar da. Viel Spaß!

November 2018 – Was tut der Golfsüchtige, wenn der Winter naht, mit immer früheren Sonnenuntergängen, Wintergrüns und November Rain? Er zugvogelt in den Süden, vorzugsweise Südost (Belek) oder Südwest (Andalusien), um Kälte und Nässe zu entfliehen.

Soweit die Theorie. In der Praxis ist das nicht ganz so einfach, wie meinem Fluchtprotokoll Südwest zu entnehmen ist.

Ich blicke zurück auf sechs Tage, neun Golfrunden (leider nicht immer vollständig), sieben Plätze, einen Weltuntergang und drei weitere Tage regnerisch (mein Langenscheids übersetzt „Costa del Sol“ mit „Küste der Sonne“, muss aber wohl ein Missverständnis sein…).

Samstag, 10 Uhr, Torrequebrada Golf.

Der Platz ist proppenvoll, vor allem Engländer geben sich die Ehre. Schon vor Wochen hatte ich mir die einnzige freie Startzeit dieses Vormittags gekrallt. Einmal sattessen zum Frühstück vor der Runde kostet knapp 20 Euro, ich denke „normal, Malaga/Marbella halt“.

Torrequebrada, einer der älteren Plätze in der Gegend. Würde meine Golfrunde verfilmt, würde die Anlage von Helen Mirren gespielt. Eine britische Lady gesetzten Alters: würdevoll, gepflegt, und auch da, wo der Lack ein bisschen ab ist, scheint überall die frühere Schönheit durch.

Besonders schön die Bahnen 6-8, eine Par-5-Autobahn (Driver einlegen und Vollgas geben) gefolgt von zwei verwinkelten, kurzen, präzise zu spielenden Par 4.

Mit Cart dauert die Runde „nur“ knapp fünf Stunden, die sich aber wie sieben anfühlen. Obwohl nur zwölf Flights vor uns sind, und obwohl die Startabstände mit 10 Minuten okay sind, ein Stau wie am Frankfurter Kreuz früh um acht.

Liegt wahrscheinlich daran, dass der Platz zwar nicht besonders lang, aber auch nicht besonders breit ist. Auch mein Flight, zusammengesetzt aus den Fußballmetropolen Liverpool (dreimal vertreten) und München (einmal), spielt häufiger auf Champignons- als Champions-League-Niveau. Gemeinsam geht es zum Bällesuchen in die Pilze.

Die Runde nach der Runde muss die Sektion München springen lassen (zum Glück für ein Birdie, nicht eine Lady), vier kleine Bier knapp 15 Euro, ich denke „normal, Malaga/Marbella halt“, dann geht es weiter. Das Wetter soll in der Nacht kippen, schnell noch woanders ein paar schöne Löcher spielen.

Samstag, 16 Uhr, Alhaurin.

Schon mittags hingen die Wolken tief über der angeblichen Costa del Sol, und immerhin liegt Alhaurin auf über 300 Meter Höhe (wobei das eine Durchschnittsangabe sein dürfte – allein Bahn sechs erstreckt sich gefühlt über drei verschiedenen Vegetationszonen…).

Ich bin mir also nicht sicher, ob ich auf dem Platz überhaupt etwas sehen werde, als ich auf einem schmalen Sträßchen der Wolkendecke entgegenkurve. Und ob ich spiele, weiß ich auch noch nicht. Für Sonntag hatte ich im Vorfeld per Mail eine Sondergreenfee ausgehandelt, 30 Euro zu Fuß ab 16 Uhr. Die werde ich doch hoffentlich am Samstag auch bekommen…?

Ich bekomme viel mehr als das. Für eine ordentliche Portion Tapas, einen Kaffee und ein Wasser zahle ich 5,75 Euro und komme mir fast vor wie ein Gauner (und habe zugleich das Gefühl, eine Stunde vorher bei den vier Bierchen ausgeraubt worden zu sein).

Die reduzierte Greenfee bekomme ich nach einer kurzen Erklärung ebenfalls, anstandslos. Der Platz ist ziemlich leer, erst am Horizont zwei Viererflights mit Carts. Und die Wolkendecke erreiche ich nicht einmal mit dem 59°-Wedge.

Ich will nicht zu schnell auflaufen und entscheide mich für die weißen Tees. In Internet war ich gewarnt worden, von weiß sei der Platz mörderisch. Ich denke mir „hoffentlich“, immerhin habe ich im Clubhaus ein Säckchen von anderen Golfern ausgewilderte ProV1 (20 Stück für 25 Euro!) erstanden – diesmal trage ich, da muss ich unterwegs Gewicht verlieren. Und allzu schnell will ich ja ohnehin nicht vorankommen, der beiden Viererflights wegen.

Der Plan geht komplett in die Hose, ich verliere nur einen Ball und komme in 2,5 Stunden bis Grün 15. Dort putte ich zu meinem 7. Pärchen (7 Bogeys, ein Tripplebogey), und der Mond lächelt milde.

Die beiden Viererflights voraus hatten mich nur auf der 8 und 9 ein bisschen ausgebremst, sind aber nach der Neun brav geradeaus zum Clubhaus gefahren.

Die Wiese? Ein Rockstar! Rebellisch, widerspenstig, tough und tolle Kurven. Wie P!nk.

Allerdings die P!nk aus dem Video von „Family Portrait“, weil sie leider auch gelegentlich ein bisschen traurig aussieht. Die Fairways sind nicht schön, an manchen Stellen das Gras viel zu hoch und an manchen Stellen „welches Gras?“ Nix für Ästheten, aaaber: wenn man zum Spielen da ist und nicht zum Gucken, ist es eigentlich kein Problem.

Die Fairways waren relativ weich, so dass keine Bälle unfair versprungen sind, und ich hatte auf 15 Loch nur zweimal das Gefühl, ich sollte den Ball mal besser besserlegen, um ausreichend Gras unter der Murmel zu haben. Vor allem aber: die Grüns, also der Teil des Platzes, bei dem sich der Zustand wirklich unmittelbar auf das Ergebnis auswirkt, waren richtig gut.

Und das Layout? Da hatte ich im Vorfeld riesige Erwartungen. Ich habe selten einen besseren Porno gesehen als den Drohnenflug über Loch 6:

Auch die 2, die 7, die 8, die 13, die 15 habe ich mir im Vorfeld extrem abenteuerlich vorgestellt. Ganz so krass war es gar nicht. Bei starkem Wind sieht das vielleicht noch mal anders aus, aber an diesem Wochenende fand ich das Layout einfach nur schön.

Sonntag, 9 Uhr, Chaparral

Statt in einem Viererflight stehe ich alleine am Abschlag 1, die drei anderen hatten wohl eine bessere Wetterapp als ich. Alle anderen Flights sind voll, aber die Dame im Clubhaus ist toll. Damit ich mir nicht alleine zwischen all den Viererflights die Beine in den Bauch stehe, macht sie mit dem Marshall aus, dass ich zuerst die zweiten Neun spiele und mich dann gegen 11 Uhr, wenn sich die Startzeiten lichten, für die Front Nine einem anderen Flight anschließe.

Dieser Plan gefällt mir so gut, dass ich beschließe, ihn mir auch von so Kleinigkeiten wie dem auffrischenden Wind, dem einsetzenden Regen und dem fernen Donnergrollen nicht verderben zu lassen.

Das Wetter braucht nur ein kurzes Par 3, um von unfreundlich auf „wir werden alle sterben“ upzugraden. Ich habe Angst, die Fahnenstange anzufassen, und schenke mir großzügig einen Dreimeterputt. Dann renne ich los, aber trotz E-Trolley kann das Gewitter schneller rennen als ich, und krakeelt von allen Seiten auf mich ein.

Zurück auf dem Parkplatz bin ich von außen nass bis auf die Unterwäsche, meine Softshell-Jacke ist so mit Wasser vollgesaugt, dass es die nächsten vier Tage überall, wo ich sie aufhänge, nach nassem Hund riechen wird.

Und ich kann nicht ausschließen, dass meine Unterwäsche auch ein bisschen von innen nass wurde. Es war jedenfalls echt beängstigend und ich verfluche meine eigene Doofheit, nicht schon eine halbe Stunde früher abgebrochen zu haben.

Eine Stunde später ist der Spuk vorbei, die Sonne lacht (mich aus?), aber ich bin gerade frisch geduscht (diesmal heiß und planmäßig) und entscheide mich, lieber das Angebot aus dem Sekretariat anzunehmen und in ein paar Tagen die fehlenden neun Loch nachzuholen.

Außerdem muss ich zum Flughafen, die Verstärkung einsammeln.

Sonntag, 16 Uhr, Alhaurin II

Es hat sich eingeregnet. Auch in Alhaurin gab es heute mehr Wasser als geplant. Wir haben zwar unsere Startzeit, aber die Dame im Sekretariat erreicht den Greenkeeper nicht.

Außer uns kam auch scheinbar heute niemand auf die Idee, hier oben im Hochgebirge Golf zu spielen. Und Carts dürfen heute eh nicht fahren, die Wege sind zu nass für das Gefälle. Ob wir vielleicht den Academy Course spielen wollen, zum nochmal halben Preis (15 Euro pro Person)?

Der Regen wird gerade wieder stärker, also ziehen wir die Gastro mit Kaffee, Bier und Tapas vor. Außerdem läuft Golf im TV.

Wir haben gerade gemütlich aufgegessen, da kommt ein Mann herein, der Marshall? Der Greenkeeper? Wir werden es nicht erfahren; auf jeden Fall ein Engel. Er entschuldigt sich für das Hin und Her, wenn wir extra zum Golfen hier hoch gefahren sind, dann können wir natürlich auch spielen, wir müssten halt tragen (hatten wir eh vor). Wir brauchen jetzt auch nix mehr zu bezahlen, wir sollen halt gucken, wie weit wir kommen.

Absolut starke Aktion und ein weiterer Grund, die P!nkwiese zu lieben. Es hat gerade zu regnen aufgehört, und wir schaffen noch sieben Löcher inklusive der pornösen Ecke 6-8, ein Kacktag endet versöhnlich am 19. Loch, und ich rechne aus, dass ich für dreimal Tapas und Getränke hier oben ungefähr gleich viel gezahlt habe wie für das eine Frühstück unten.

Das war noch nicht alles. weiter geht es im zweiten Teil des Reiseberichts.

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