Wie hat das World Handicap System die Handicaps verändert

Eines der größten Golf-Themen zum Ende 2020 war in deutschen Internetforen und Facebook-Gruppen die Umsetzung des World Handicap System in Deutschland. Die Umrechnung wurde Ende November zentral vom DGV durchgeführt und nach und nach hatten die Clubs die Updates – und damit den neuen World Handicap Index WHI für jeden Golfer – eingespielt.

Plötzlich kannten ganz viele Leute andere Leute, die gigantische Handicapsprünge hinter sich hatten – und das Volk war sich sicher, da ist wohl etwas gehörig schiefgelaufen. Andere waren sich spätestens damit sicher, dass die Einführung unnötig und abzulehnen sei. Naja, und was Leute sonst noch so im Internet schreiben.

Meine eigene Wahrnehmung war allerdings eine andere. Die Veränderung meines Handicaps war eher moderat und schien mir sogar angemessen – einigen anderen, die ich kenne, erging es ähnlich. Also habe ich mich gefragt, wie sich „das deutsche Handicap“ beim Wechsel vom EGA- ins World Handicap System wohl verändert hat? War wirklich alles anders?

Handicap-Statistiken vor dem World Handicap Index

Ich hatte kurz vor der Umrechnung Ende November einmal die Statistik zu den Handicapklassen in Deutschland herausgesucht – weil ich sowieso neugierig war, ob und was sich ändern würde. Auf mygolf.de finden sich einige Daten, die für mich absolut ausreichend sind. Der Status Quo zum Ende der Saison 2020 – also im „alten EGA-System“ – war wie folgt:

HcpAnteil in Prozent
bis 4,40,82 %
4,5 – 11,44,70 %
11,5 – 18,411,94 %
18,5 – 26,419,68 %
26,5 – 3624,45 %
37 – 5425,90 %
sonstige12,04 %
Anteile Golfer in Deutschland pro Handicapklasse / EGA

Nur rund fünf Prozent aller registrierten Golfer in Deutschland haben ein Single-Handicap, jeder achte Golfer ist hingegen ohne Handicap unterwegs. Insgesamt nur knapp jeder sechste Golfer erreicht überhaupt den Bereich „Bogeygolfer“, also ein Handicap von ungefähr 18 oder besser.

Ich selbst konnte mich im Jahr 2020 in die „Vorgabeklasse 4“ spielen, in der ziemlich genau jeder fünfte Golfer gastiert. Damit habe ich mich zumindest in die Richtung bewegt, in die ich gerne gehen würde: konstante Runden unter 100 und damit das, was Bogeygolf im wesentlichen bedeutet.

Was ist nun mit dem World Handicap Index?

Einige Dinge haben sich grundlegend geändert mit dem neuen World Handicap System. Ich will hier gar nicht auf die ganzen Details eingehen, das ist an vielen anderen Stellen ausführlich und gut erklärt. Wer sich dafür interessiert, der findet zum Beispiel hier Infos:

Ganz kurz gefasst haben wir zukünftig – und das finde ich gut – keine simple Handicap-Fortschreibung mehr. Die bisherige Situation, dass man sich mit einem einzelnen sehr guten Turnierergebnis ein niedriges Handicap erspielt hat, um dann nur sehr langsam durch realistischere schlechte Ergebnisse wieder nach oben gestuft zu werden, fällt weg.

Statt dessen ist der World Handicap Index (WHI) nun eine gewichtete Durchschnittsbetrachtung. Es werden die besten acht Ergebnisse der letzten 20 Runden berücksichtigt – natürlich nur handicaprelevante, also keine Spaßrunden. Daraus wird grob gesagt der Durchschnitt abgebildet, womit der neue WHI tendenziell deutlich dichter an der eigentlichen aktuellen Spielstärke liegt.

Wie sieht es nun in der Statistik aus

Wie schon erwähnt hat der DGV zentral die einmalige Umrechnung aller Handicaps in den neuen World Handicap Index Ende November durchgeführt. Generell erfolgt die Handicapführung ab nun zentral beim DGV und nicht mehr im Club selbst – der leitet nur noch technisch die Spielergebnisse an den DGV weiter.

Die Handicapklassen, die man von unserem EGA-System her kannte, fallen im World Handicap System ersatzlos weg. Für die Statistik sind sie aber noch einmal interessant, deshalb verwende ich sie hier weiter. So schaut die Verteilung des neuen WHI in Deutschland Anfang 2021 aus:

WHIAnteil in Prozent(EGA)
bis 4,41,12 %(0,82 %)
4,5 – 11,44,74 %(4,70 %)
11,5 – 18,411,93 %(11,94 %)
18,5 – 26,420,23 %(19,68 %)
26,5 – 3624,69 %(24,45 %)
37 – 5430,23 %(25,90 %)
sonstige7,07 %(12,04%)

Wie man sehen kann, hat sich in der groben Verteilung nicht wirklich viel verändert. Zwei kleine Ausnahmen gibt es in der Gesamtstatistik dann aber doch – und zwar am oberen und noch deutlicher unteren Ende. Das wirkt erst einmal sonderbar, ist aber eigentlich ziemlich logisch, finde ich.

Ein paar mehr Single-Handicaps

Dass sich die Zahl der wirklich starken Handicaps leicht erhöht hat, finde ich nachvollziehbar. In diesem Bereich geht es bei einem guten Ergebnis nur ganz geringfügig weiter nach unten – der „Runterschießeffekt“ kommt hier also kaum zur Geltung. Abgesehen davon sind „Ausreißer“-Runden auf diesem Niveau deutlich seltener als bei höheren Handicaps.

Dazu muss man natürlich konstatieren, dass starke Golfer in der Regel auch deshalb so stark sind, weil sie erstens mehr trainieren und damit konstanter sind – vor allem aber häufiger und regelmäßiger spielen. Deren EGA-Handicap war also tendenziell ohnehin schon realistischer als in den höheren Handicapklassen.

Deutlich mehr erste Handicaps

Die zweite Veränderung in der Übersicht betrifft die andere Seite der Tabelle: die eigentlich auffälligste Verschiebung hat es bei den HCP 37 oder mehr gegeben. Dort haben einige Spieler, die unter EGA bisher noch ohne Handicap waren, nun mit Einführung des World Handicap Systems ihren ersten World Handicap Index erhalten.

Die Pi mal Daumen 5 Prozent Veränderung entsprechen nebenbei bemerkt mehr als 30.000 Golfern, die ab sofort zum ersten Mal überhaupt eine Zahl auf Ihrer Mitgliedskarte haben werden. Und auch hier finde ich es nachvollziehbar.

Viele PR-Golfer hatten ja durchaus schon handicaprelevante Runden gespielt (mindestens die PR-Prüfung), aber eben noch nicht mit einem passenden Stableford-Ergebnis. Natürlich gab es aber trotzdem ein Bruttoergebnis, das nach der neuen Berechnungsmethode wichtig ist.

Bei insgesamt sehr wenigen vorgabewirksam gespielten Runden gibt es den Faktor „Ankerergebnis“, das einen deutlich stärkeren Einfluss haben kann. Voila, da ist ein WHI!

Wie ist es bei euch?

In meiner Saison 2020 habe ich mich nach längerer Zeit endlich mal wieder herunterspielen können. Ich bin mit einem Handicap von 27 in die Saison gestartet und habe sie bei 21,9 beendet. Mit Umrechnung in das neue World Handicap System bin ich wieder um 2 Schläge hochgesetzt worden: mein WHI liegt also bei 23,9 zum Saisonstart 2021. Weil in der Durchschnittsbetrachtung eben auch frühere Ergebnisse mit einfließen, passt das bei mir sehr gut.

Auch meine Heidegolferin hat nach ihrem ersten EGA-Handicap durch die Umrechnung ein neues WHI bekommen. Das ist sogar etwas heruntergegangen und hat jetzt eine „4“ vorne. 😉 Mein Golf Buddy Daniel hat sich leicht verbessert, beim Golfhandwerker Marcus ist der WHI minimal nach oben gegangen – und so weiter.

Ich persönlich kenne keine großen Ausreißer, was ich so sehe, passt irgendwie alles. Wie sieht es bei euch aus? Hat sich euer Handicap mit dem WHI verändert? Ist es raufgegangen oder runter?

8 Kommentare

    1. Hallo Oliver,
      ich bin mir nicht sicher, was du mit den komischen Ergebnissen aus 9 Loch Runden meinst aber ich denke, dass sich die Herrschaften in ihren Planungen auch dabei etwas gedacht haben werden.
      Das System gibt es ja im Prinzip in zumindest sehr ähnlicher Form schon lange im USGA-Raum…
      Aber ansonsten sind wir uns natürlich einig: WHS bietet viel mehr Vor- als Nachteile.
      Ich bin gespannt auf die Saison, vermutlich ist es nur eine Frage der Gewöhnung.

  1. In der Schweiz wurden einfach 8 Ergebnisse mit dem letzten HCP als künstliche Runden erfasst. Jetzt gibt es ein Schweizer und ein WHS. Grausame Entwicklung.

    1. Ja, ich hab schon gehört, dass es in der Schweiz noch etwas „suboptimal“ läuft. Soviel zum Thema weltweit einheitliches System…
      Ich denke trotzdem positiv und glaube daran, dass sich auch das finden wird.

  2. Moin Olaf, bei mir hielt sich die Veränderung in Grenzen, HCP 19,9 und jetzt WHI 20,6. Ein Golfpartner von mit ist allerdings stark abgesackt von HCP 17,2 auf 22,2. Der Grund war die Umstellung des Spiels durch den Pro, die Turniere 2020 waren alle schlecht und das hat ihn hoch gezogen. Gruß Thorsten @golf_bogey

    1. Moin Thorsten,
      wenn es bei dem Kumpel aber passt, dann ist es ja im Grunde sogar gut dass das WHI rauf gegangen ist. Entspricht dann mehr den letzten Ergebnissen – und bietet ne Menge Potential für Verbesserungen… 😉
      Ich freu mich im Grunde auch, dass ich wieder etwas mehr „Luft“ habe als vorher… 🤓
      Schöne Grüße
      Olaf

  3. Hallo Olaf
    Da ich die letzten beiden Jahre leider immer nur Samstags auf einem 9-Loch (18 Löcher im Turnier) spielen konnte (Bad Gögging), und der Platz auch noch schlecht geratet ist, wurde mein ETA Handycap von 23,2 auf 26,1 hochgesetzt.
    Eigentlich kommt mir das sehr entgegen. Jetzt habe ich ein Handycap Index auf großen Plätzen von etwa 30. Das dürfte auch momentan meinen tatsächlichen Ergebnissen entsprechen.

    ABER

    Wie Du vielleicht auf meiner (durch Dich motivierten Webseite – https://donaumoosgolfer.blogspot.com) erkennen kannst, stehen alle Zeichen auf Angriff. Und das mit dem UHU² schaffe ich – versprochen.

    mit sportlichem Gruß

    Klaus

    1. Hallo Klaus,
      der weg nach oben hat ja den Vorteil, dass du jetzt mehr Potential nach untrn hast… 😊
      Übrigens gilt das für beide Uhu-Ziele. Ich hab schon reingelesen und bin gespannt wie es bei dir weiter geht.
      Die Daumen sind gedrückt…
      Schöne Grüße
      Olaf

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