Matthias returns: Golf rund um Marbella

Da ist er wieder: Matthias hat nach seinem Wasser-Golf-Urlaub rund um Marbella im Herbst 2018 einen zweiten Antritt versucht. Und zu unserem Glück, hat er auch wieder einen ausführlichen Text über die Plätze geschrieben, die er gespielt hat. Und natürlich schreibt er auch wieder, wie… 

Viel Spaß mit Teil 1 seines neuen Berichtes vom Golf rund um Marbella:


Mein Spanisch ist leider so unfassbar mies. Neben Finnisch und Suaheli wahrscheinlich die Sprache, für die ich am wenigsten Gespür habe. Aber einen Satz habe ich in meinen letzten beiden Urlauben hier rund um Marbella durch stetige Wiederholung dann doch gelernt: „este clima no es normal“.

Ich habe tatsächlich wieder Münchner Temperaturen mit nach Marbella gebracht. Das nächste Tiefdruckgebiet werden die Spanier vermutlich „Matias“ nennen.

Immerhin hat es mich diesmal erst in den letzten zweieinhalb Tagen erwischt. Die 9 Tage und 13 Golfrunden zuvor waren schön. Und so gibt mir das Wetter die Gelegenheit, bereits hier vor Ort, fröstelnd vor der einzigen Heizung im Clubhaus von Antequera Golf, mit dem Reisebericht zu beginnen.

Mitte Januar 2020, Tag 1, mittags: La Cala „Europa“

Direkt vom Flughafen eile ich zum ersten Mal hoch ins La Cala Resort. Für drei Runden mit Cart auf allen drei Plätzen zahle ich nur 156 Euro – ein fairer Deal (gebucht über die Homepage). Die Startzeiten musste ich gleich bei Buchung mit angeben, doof, jetzt stehe ich alleine am Tee und vor mir sind Viererflights. Ich spiele zwei Bälle, einen von weiß und einen von gelb. Erstens will ich nach über zwei Monaten Golfenthaltsamkeit wieder in Schwung kommen und zwotens nicht zu schnell sein.

Zumindest Teil zwei des Plans klappt gut. Zudem habe ich mir vorgestern beim Snowboarden ein paar Rippen geprellt, dadurch klappt die Sache mit dem „nicht zu schnell sein“ sogar noch besser. Aua! Ich habe zwar extra eine Packung Ibuprofen importiert, die liegt aber heute natürlich in völliger Selbstüberschätzung im Auto.

Merke: Detective Lieutenant John McClane ein bisschen ähnlich zu sehen bedeutet nicht zwangsläufig, ähnlich hard zu sein. Immerhin – so zu fluchen wie er gelingt mir ganz gut. Ich sterbe also langsam und mäßig erfolgreich von zwei Tees über den Platz, bis ich zur 14 komme: ein Par 3, von weiß 233 m, wobei der Ball die ersten 170 Meter im Flug zurücklegen sollte, sonst raschelt es im Schilf.

Es raschelt dreimal, ehe ich gedemütigt den weißen Abschlag räume. Heute, mit Pflegegrad 3, könnte ich wahrscheinlich mein komplettes Bag leerballern und käme nicht ein einziges Mal ans rettende Ufer. Schade, der Platz gefällt mir eigentlich gut. Es gibt ein paar abenteuerliche Bahnen, bergauf, bergab und immer mal über den Fluss. Ich werde wohl in besserem Zustand wiederkommen müssen.

Tag 2, morgens: La Cala „Asia“

Wir spielen zu dritt, und dank der Ibu zum Frühstück bin ich zumindest die zweitfitteste Person im Flight. Immerhin. Diesen Teilerfolg lasse ich mir auch dadurch nicht wegrelativieren, dass Reijo und Miriam aus Finnland beide 30 sind.

Jahrgang, nicht Alter! Ja, Ihr habt richtig kopfgerechnet: ich spiele mit zwei liebenswürdigen 89-jährigen Finnen und zumindest Reijo ist heute drehfreudiger als ich.

Wir kommen zügig voran, Reijo schlägt immerhin noch solide 120-140 Meter. Miriam nimmt sich die Freiheit, auch auf dem Fairway immer wieder aufzuteen und den Driver zu zücken. 80-100 Meter sind so jedes Mal drin. Das Englisch der beiden ist kaum besser als mein Spanisch, aber als Golfer verstehen wir uns trotzdem gut.

Als ich sie nach der Runde nach ihrem Alter frage, denke ich trotzdem zuerst kurz an einen Übersetzungsfehler. Aber in allen drei Sprachen (Englisch, Spanisch, Finger) kommt die selbe Zahl heraus, scheint also zu stimmen. Sogleich setze ich mir ein ambitioniertes Ziel, Problem nur: Ihr müsst meinen Golfreise-Geschichten noch bis mindestens 2061 folgen, um zu erfahren, ob ich es erreicht habe.

Der Platz ist nicht ganz so abenteuerlich wie der Europa, dafür optisch schöner. Wo auf dem Europa Abhänge oder der Fluss gelauert haben, locken auf dem Asia massenhaft Bunker mit schönem hellem schwerem Sand. Ich teste sie ausgiebig, weil ich immer noch bei jedem Schlag 20-40 Meter kürzer bin als erwartet. Und als ehemaliger Erdkunde-Musterschüler wusste ich natürlich schon vorher: auch Asien ist mitunter ganz schön hügelig.

Tag 2, nachmittags: Alhaurin.

Ich kehre zurück zu meiner großen Liebe, Alhaurin. Dank Golfhäftet Card spiele ich Seve‘s Abenteuerspielplatz im Gebirge mit Cart für 50%, und damit für gerade einmal schlappe 44 Euro.

Eine ausführliche Platzbeschreibung habe ich bereits bei meinem letzten andalusischen Reisebericht geliefert, auch dieses Mal ist der Pflegezustand maximal mittel.

Aber was zählt, sind die Ausblicke, das Platzdesign und der erhöhte Pulsschlag, kurz bevor man einen Ball in ein gefühlt handtuchbreites Fairway tief unten im Tal schmettert.

Eigentlich wollte ich wegen meiner Wehwehchen von Gelb spielen. Weil gleich auf der 1 der gelbe Abschlag viel zu weit vorne steckt und ich außerdem schon wieder alleine unterwegs bin, mache ich mir stattdessen von weiß das Leben schwer. Auf zwei Löchern komme ich ohne Ball am Grün an, auf zwei Löchern loche ich zum Birdie und auf allen 18 Löchern genieße ich das Abenteuer.

Und weil die Runde nur etwa 3 Stunden dauert, habe ich nach dem Abendessen noch genügend Zeit und trotz der 36 Loch auch noch die Energie, wie eine Mischung aus Speedy Gonzales und ADHS-Teenager durch die umliegenden Hügel zu flitzen auf der Hatz nach dem perfekten Sonnenuntergangsfoto.

Tag 3, morgens: Calanova

Für 62 Euro incl. Cart (gebucht über die Homepage) wird das heute früh schon eine der teuren Runden des Urlaubs. Doch die Investition hat sich bereits nach etwa 35 Minuten gelohnt: ich liege auf der 4 mit dem Abschlag 10 Meter vor dem Grün. Die Frage, ob sich dieses Par 4, Dogleg, bergab, offiziell 311 Meter, sinnvoll abkürzen lässt, hat mich 14 Monate lang beschäftigt. Die Antwort: Hell yeah!

Ich habe dafür nicht einmal den Driver benötigt, was bedeutet: die Ibu wirkt und allmählich kann ich mich auch wieder ganz gut drehen.

Schon wieder spiele ich alleine. Zu Beginn des Urlaubs wollte ich unbedingt immer zwei Runden pro Tag schaffen und muss daher die eher unchristlichen Startzeiten auswählen. Normale Menschen liegen da noch im Bett. Dafür werde ich mit einem herrlichen Sonnenaufgang belohnt, den ich aus allen Blickwinkeln knipse.

Außerdem habe ich genügend Zeit, das Halfwayhaus zum Quarterwayhaus umzudefinieren und gleich drei mal bei der gut gelaunten jungen Dame auf einen Kaffee zu stoppen.

Auch diesen Platz hatte ich schon einmal beschrieben, abgesehen von den Bauarbeiten auf der 18 ist er wieder genauso makellos wie beim ersten Mal. Für mich im Gesamtpaket der beste Platz für Golf rund um Marbella.

Tag 3, Nachmittag: Chaparral

28 Euro für 18 Loch zu Fuß auf einem meiner Lieblingsplätze – ich muss mich schwer zusammenreißen, um nicht diabolisch zu kichern wie Dr. Evil, als ich im Sekretariat meine Golfhäftet Card zücke. Doch zu früh gefreut, denn ein sympathischer Flight war bei diesem Preis nicht inklusive. Die beiden geplanten Mitspieler haben sich aus der gemeinsamen Startzeit aus- und 10 Minuten später wieder eingetragen.

Der Platz ist vor uns gut gefüllt und ich wieder alleine. Schon ab Bahn 3 muss ich an jedem Abschlag ein paar Minuten warten. Es ist ein bisschen lächerlich, wie die beiden hinter mir wie Laiendarsteller in einer mieserablen, selbst produzierten Krimi-Nachmittagsserie auf RTLII versuchen, mir möglichst unauffällig zu folgen und bloß nicht zu nahe zu kommen. Ich könnte sie ja ansprechen und fragen, ob wir zusammen spielen wollen, und dann müssten sie ja freundlich tun.

Einmal flitzen sie mit ihrem Cart beschwingt aus einem Tunnel, sehen plötzlich mein Bag viel zu nah vor ihnen stehen, kommen mit quietschenden Reifen etwa 20 Meter hinter meinem Abschlag zum stehen und sind ab sofort hochkonzentriert in ihr „Gespräch“ vertieft, so dass sie meine fragenden Blicke leider nicht mitbekommen.

Es dauert bestimmt 2 Minuten, bis ich endlich abschlagen kann – prompt wildere ich den Ball in der Botanik aus. Also muss ich zum Bag, einen neuen Ball holen, nochmal abschlagen … und die ganze Zeit müssen die beiden ärmsten unheimlich beschäftigt wirken. Wenn sie sich wirklich unterhalten würden, und nicht nur so tun als ob, hätten sie in der Zeit sämtliche Kernthesen von Aristoteles‘ Nikomachischer Ethik durchdiskutieren können.

Der Schwedentrick

Wir kommen so zäh voran, dass die beiden bis zu Bahn 9 wahrscheinlich auch Platons „Der Staat“, „Krieg und Frieden“ und Winnetou I bis III durchdiskutiert haben, und ihnen die Themen ausgehen. Jedenfalls fahren sie wort- und grußlos an mir vorbei, als ich immer noch warte, bis das Grün der 10 frei wird, und entschwinden in Richtung Clubhaus.

Nach ihnen war der Platz offensichtlich ziemlich leer, erst an der 15 nähert sich von hinten der nächste Flight. Immerhin drei Löcher spiele ich dann noch mit zwei jungen wilden Schweden (die eineinhalb Stunden nach mir an Tee 1 begonnen haben – welch deprimierender Gedanke!). Die beiden haben irre Längen mit ihren Eisen, allerdings merkt man ihnen auch an, dass ihr Heimatland ziemlich weiträumig ist und man es mit der Richtung dort deshalb nicht so genau nehmen muss.

An der 18 zocken wir um das Bier im Clubhaus und plötzlich sind beide schnurgerade. Ich verpasse knapp das Sandy Par und bin vermutlich auf den ältesten Trick der Welt hereingefallen.

Tag 4, morgens, La Cala „Amerika“

Yllätys! Das ist Finnisch und bedeutet Überraschung! Miriam und Reijo fanden die letzte gemeinsame Runde offensichtlich ebenso nett wie ich und haben sich gleich wieder dazugebucht. Wir spielen in La Cala den dritten Kontinent und die ersten drei Bahnen sind auch genau so, wie man sich amerikanische Golfplätze vorstellt: breite Fairways, kaum Gefahren.

Ab der 4 wird es dann aber tricky, und – wie ich finde – auch ein bisschen unfair. Mehr als einmal landen unsere Bälle ganz passabel Mitte Bahn, nur um anschließend die knackig kurz gemähten Fairways dutzende Meter in irgendeine Senke herunter zu hoppeln. Manchmal liegen wir zu dritt in der selben Welle, obwohl wir drei verschiedene Richtungen und Längen gespielt hatten.

Zusätzlich sind die Bunker katastrophal, dabei sind wir der erste Flight des Tages. In den Dingern sind mehr Trampelspuren als in der Serengeti rund um das letzte noch nicht ausgetrocknete Wasserloch. Wenn man dann doch eine Stelle mit unberührtem Sand findet, dann ist der pappig, tief und viel zu schwer, obwohl es seit Tagen nicht geregnet hat.

Ich bin dieses Mal beweglicher als der 89-jährige Finne. Blöderweise verschätze ich mich ein bisschen zu häufig auf diesem verwinkelten Platz und ziele in – rückblickend – völlig idiotische Richtungen. Manchmal hätte es schon geholfen, das Birdie Book gründlicher zu studieren. Aber weil ich immer als erster abschlagen muss (Reijo spielt von blau), nehme ich mir die notwendige Zeit zu selten. Ich glaube, auch hier muss ich noch einmal wiederkommen und mir – und der neuen Welt – beweisen, dass der Platz spielbar ist.

Tag 4, Nachmittag, Cabopino.

Cabopino. Unbedingt Cabopino! Wenn man die Leute nach ihren Lieblingsplätzen rund um Marbella fragt, kommt dieser hier bei den Antworten ziemlich häufig vor. Muss dann ja wohl was dran sein? Ich möchte es herausfinden und investiere die 45 Euro (inklusive Cart, als Twilight gebucht über Sunshine Golf).

Ich erwische einen prima Flight, drei Deutsche mit unterschiedlichem Golfreifegrad. Alle drei sind entspannt, mit der einen oder anderen Lady im Repertoire und gewillt, die Schulden nicht erst nach der Runde einzulösen.

Der Platz ist ziemlich voll, so dass wir an jedem Loch warten müssen. Am Abschlag der 3 rückt uns der nachfolgende Flight bereits zum ersten Mal so richtig auf die Pelle und guckt kurz ein bisschen skeptisch. Ich kann ihre Gedanken hören: ‚Schlag halt ab, Sportsfreund. Die sind doch längst außer Reichweite“.

Ich warte trotzdem noch ein bisschen länger und mache dann den wahrscheinlich besten Abschlag des Urlaubs. Der Ball fliegt, hoppelt und kullert bis 20 Meter vor dem Grün – ausgerechnet an diesem mördergeilen berühmten bergab-Par-4.

Ich mache einen auf ungerührt (aber jubiliere innerlich) und der Nachfolgeflight guckt ab jetzt immer freundlich.

Spielen und warten summiert sich auf gut 4 ½ Stunden, trotzdem kommen wir noch locker bei Helligkeit (und wunderbarem Spätnachmittagslicht) zur 18. Spätestens jetzt zeigt sich, dass es eine gute Idee war, die Morning Sessions jeweils schon vor halb neun einzuläuten. Täglich entspannte 36 Loch auf zwei verschiedenen Plätzen ohne jeden Zeitdruck an den kürzesten Tagen des Jahres. Ausschlafen ist dann halt mal nicht.

Der Platz ist richtig schön und gut gepflegt, ein bisschen kurz vielleicht (viele Par 4 deutlich unter 300 m). Durch die Pinien zu beiden Seiten vieler Fairways ist er zwar einerseits manchmal eng, aber andererseits trotzdem kein Ballräuber. Ein echter Urlaubsplatz, wer sich hier von irgend etwas stressen lässt, ist selbst schuld.


ENDE Teil 1

Demnächst geht es weiter mit Tag 5 und dem „Alcaidesa Double Feature“ – nämlich in Teil 2 von Matthias‘ Bericht.

Ein Kommentar

  1. Lieber Matthias, es ist wie immer ein Vergnügen deine Berichte zu lesen, wenn das mit dem Fußball mal nix mehr ist, dann mach den Buchautor 😘 GLG Beatrix

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