Ein Dutzend Fragen an … Noble Golf Gründer Raimund

In meiner Interview-Serie „Ein Dutzend Fragen an…“ stelle ich ganz unterschiedliche Persönlichkeiten aus der großen Golf Welt vor. Heute geht es um Raimund Brandstätter, den Gründer und Kopf hinter der neuen Golfmarke Noble Golf.

Raimund ist Jahrgang 1993 und stammt aus Graz. Er hat die HTL (Höhere technische Lehranstalt) im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen besucht, einer Art spezielles Gymnasium, das ein Jahr länger andauert. Neben der Matura (unserem Abitur) beinhaltet es dafür auch eine Berufsausbildung zum Ingenieur.

Anschließend hat Raimund Erfahrungen im Bereich der Halbleiter-, der Wasserkraft-, und der Automobilindustrie gesammelt, berufsbegleitend Wirtschaftsingenieurwesen studiert und darüber hinaus einen Studiengang zum MBA in Business Management absolviert. Seine besondere Leidenschaft für Strategie und agile Unternehmensführung setzt er seit Firmengründung auch bei Noble Golf ein, um so ein transparentes und nachhaltiges Unternehmen aufzubauen.

Infos über die neue Golfmarke aus Österreich findet man online unter www.noble-golf.com und natürlich gibt es einen Noble Golf Instagram-Auftritt sowie eine Facebook-Seite. Noch hat das Unternehmen keine großen Namen als Testimonials, arbeitet aber bereits mit einigen Instagram-Golfern zusammen. Unter anderem spielen auch Ernie & Birdie inzwischen die Golfbälle von Noble Golf. Ich habe die Gelegenheit genutzt und Raimund gleich ein Dutzend Fragen gestellt.

Zunächst einmal Danke, Raimund, dass du dir die Zeit nimmst, mir meine Fragen zu beantworten.

Wann hast du mit dem Golf angefangen und wie ist es dazu gekommen?

Das erste Mal einen Schläger in der Hand hatte ich mit etwa 11 Jahren. Dabei war Golfunterricht gar nicht meine Idee, sondern die meines Bruders, der zwei Jahrgänge über mir dasselbe Gymnasium besuchte. Da aber mein Elternhaus am Stadtrand lag und die öffentlichen Verkehrsanbindung sehr bescheiden war, holten unsere Eltern uns täglich von der Schule ab. Dadurch hieß es immer für uns „beide – oder keiner“. Also war ich natürlich dabei.

Nachdem unser Vater die ersten beiden Wochen noch von der Terrasse des Clubhauses aus die letzten Minuten unseres Trainings verfolgte, stand er in der dritten Woche schon neben uns auf der Range. Kurz darauf packte das „Golffieber“ die ganze Familie.

Als Teenager gab es dann ein paar andere Interessen und ich habe mit dem Golfspielen ausgesetzt, bis ich 22 Jahre alt war. Da hatte ich ein paar Tage frei und war auf der Suche nach einem spontanen Urlaub. Also habe ich meinen Vater auf einer Golf-Gruppenreise nach Triest in Italien begleitet.

Eigentlich wollte ich nur das Meer genießen, habe mich aber schnell überreden lassen, auch zumindest eine Golfrunde zu spielen. Also dachte ich mir, ich komme gleich am ersten Tag mit. Das Ergebnis waren etwa 100 Schläge und der tatsächliche Beginn meiner Faszination für diesen Sport. Ich habe dann alle Tage der Reise mitgespielt und mich gleich am ersten Tag nach der Rückkehr wieder im Golfclub angemeldet. Den ersten golffreien Tag danach hatte ich erst etwa zwei Wochen später. 😉

Raimund Brandstätter ist Gründer von Noble Golf

Du bist Gründer von Noble Golf. Wann ist die Idee dazu entstanden und wie lange hat es dann bis zur Umsetzung gedauert?

Die Idee zu Noble Golf ist bereits vor mehreren Jahren entstanden. Ich habe mich seit meiner Rückkehr zum Golfsport intensiv mit dem Equipment beschäftigt und das nicht nur am Platz, sondern auch in der Theorie. Dabei fielen mir öfters Punkte auf, die nicht meiner Vorstellung entsprachen (zum Beispiel die bei allen Herstellern sehr ähnliche Anordnung von Taschen am Golfbag). Als ich meine Meinungen auf zahlreichen Runden mit Freunden und Fremden ansprach, konnte mir jedoch auch niemand ein passendes Produkt empfehlen.

Diese Überlegungen waren der Beginn von Noble Golf. Bis zur tatsächlichen Gründung des Unternehmens, Anfang 2020, vergingen noch zwei Jahre, die allerdings bereits mit viel Arbeit der Vorbereitung verbunden waren. Dabei sind auch noch einige Ideen entstanden, die wir hoffentlich in den nächsten Jahren alle umsetzen können.

Wieso der Name Noble Golf? Ist das eine ironische Anspielung auf das Klischee vom Reichensport?

Bei uns war es so, dass wir von Beginn an eine klare Definition unserer Werte und unserer Designrichtlinien hatten. Unseren Namen haben wir dann davon abgeleitet. So findet sich etwas Nobles in vielen Aspekten unseres Unternehmens und ist für uns nichts, was den Reichen vorbehalten ist. Nobel bedeutet ja auch, vornehm als Mensch zu handeln und das können wir doch alle.

Unsere Werte (Full Commitment, Full Responsibility, Full Confidence) stehen für transparente Kommunikation und der uns bewussten Verantwortung gegenüber unserem Umfeld. Und so sehen wir es als zentralen Grundsatz, dass jeder in gewisser Weise nobel, also edelmütig handeln kann. Wie gesagt sehen wir aber auch unser geradliniges und doch auch elegantes Design als etwas Nobles.

Ich habe schon oft intern und extern über unseren Namen gesprochen und oftmals habe ich neue individuelle Interpretationen des Wortes „Noble“ gehört. Dies freut mich sehr, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass sich jeder in gewisser Weise auf eine eigene Art in unserer Marke wiederfinden kann.

Gerade der deutschsprachige Golf Markt ist relativ klein. Wieso habt Ihr euch dennoch dazu entschlossen, als weiterer Anbieter loszulegen?

Ich würde den deutschsprachigen Golf Markt gar nicht als klein bezeichnen. Immerhin zählt er zu den größten in Europa. Aktuell bearbeiten wir den gesamten europäischen Markt, allerdings ergibt sich ein gewisser Fokus auf Österreich und Deutschland – alleine schon aufgrund unserer geografischen Nähe und Sprache. Man hat in den letzten Jahren auf jeden Fall gesehen, vor allem durch ein deutliches Beispiel, dass die Golfer bereit sind, Neues zu probieren und wir sehen hier noch viele Potentiale, die wir bedienen können.

Was macht Noble Golf besonders, was unterscheidet euch vom Wettbewerb?

Raimund Brandstätter präsentiert den Noble Golf Ball Advantage

Ich denke, eines der wichtigsten Merkmale im Vergleich zum Wettbewerb ist für uns, dass wir nichts kopieren wollen. Besonders im Bereich der „neuen Marken“ identifizieren sich die meisten im Vergleich zu einer großen Marke.

Wir versuchen jedoch bewusst stets von Null zu starten, ohne uns den Mitbewerb zu sehr anzusehen. So ist auch unser Noble Advantage Golfball an keinen anderen Ball angelehnt, sondern von Null auf unsere Entwicklung.

Die nächsten Jahre wollen wir besonders im Bereich der Golfbags neue Produkte umsetzen. Sie sollen offensichtliche Vorteile gegenüber bestehenden Produkten bieten, höchster Qualität entsprechen und gleichzeitig zum Bestpreis erhältlich sein.

Ihr seid werblich bisher hauptsächlich auf Social Media aktiv. Ist das nur eine Budgetfrage oder was ist die Idee dahinter?

Die Werbung über Social Media hat mehrere Gründe. Natürlich ist es vom Budget her sehr attraktiv und erlaubt uns sehr selektiv, unsere Produkte und Aktionen zu bewerben. Andererseits ist es in der Situation der letzten Monate ohnehin sehr schwierig gewesen, die Golfer in Europa auf anderen Wegen zu erreichen. Natürlich sehen wir Social Media aber auch als das wichtigste Medium, um die „modernen Golfer“ zu erreichen.

Aktuell haben wir in Österreich diverse Sponsorings von Vereinen, Clubs und Turnieren laufen, was aber noch auf weitere Länder ausgebreitet werden muss. In den nächsten Jahren wollen wir zusätzlich auch eine entsprechende Messe-Präsenz in Österreich und Deutschland anbieten. Das ist aber natürlich vor allem vom weiteren Verlauf der Messe Situation abhängig.

Bei Euch gibt es Caps, Schlägertücher und Tee-Beutel – und natürlich den Noble Golf Advantage Golfball? Was ist noch geplant und wie ist euer Zeitplan?

Das aktuelle Angebot von Noble Golf umfasst Bälle, Schlägertücher, Caps und Tee-Beutel

Das nächste Produkt ist unser erstes Golfbag, das Noble Performance Hybrid, das im August erhältlich sein wird. Unser Zeitplan wurde leider aufgrund der aktuell sehr schwierigen Logistik-Situation deutlich verlangsamt.

Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass der August-Termin nun feststeht. Beim Performance Hybrid handelt es sich um ein Carrybag, das zusätzlich zur großen Tasche vor allem durch viele kleine Taschen überzeugt.

Das Bag ist auch bereits ein gutes Beispiel dafür, was uns am Markt fehlt. Wir alle kennen diese eine Tasche in unserem Bag, in der „die vielen kleinen anderen Dinge sind“.

Unser Performance Hybrid soll dabei helfen, das Bag besser zu organisieren, indem man für alles eine eigene Tasche findet. Das Platzangebot, kombiniert mit einem sehr hohen Tragekomfort sowohl auf beiden Schultern als auch nur auf einer, mit einer Ausführung, die das Verdrehen der Gurte verhindern soll, ermöglicht den Einsatz als Carry- und Cartbag.

Außerdem haben wir ein Sunday Bag und ein Cartbag in unserer Roadmap, die abhängig vom weiteren Verlauf der Liefersituation im Jahr 2022 kommen sollen. Auch saisonale Produkte mit lokalen Unternehmen, die wir nach der Pandemie nun unterstützen wollen, wird es geben. Da kommt also noch einiges.

Wagen wir mal einen Blick in die Zukunft – wo möchtest du mit Noble Golf in fünf oder zehn Jahren stehen?

Es ist mir sehr wichtig, dass das Unternehmen ein sehr natürliches Wachstum durchlebt und nicht aufgrund von unnötigem Übermut zerbricht. Wir wollen Noble Golf so in den nächsten fünf Jahren in Europa etablieren und vor allem im zentralen Raum einen entsprechenden Stammkundenkreis aufbauen.

Unsere Pläne für die kommenden Produkte sind sehr ambitioniert und für die Umsetzung benötigen wir zunächst eine gute Basis, um die notwendigen Schritte zu ermöglichen. In fünf Jahren soll der Individualisierungsgrad unseres Portfolios also noch um einiges höher sein und eine Expansion in weitere Märkte bis 2030 ermöglichen.

Wir fokussieren aktuell aber vor allem auf die nächsten zwölf Monate, die für uns sehr wichtig sind. Dieses Jahr haben wir bereits sehr gutes Feedback unserer Kunden und vom Markt bekommen und sind sehr glücklich darüber. Viele Meilensteine konnten trotz der schwierigen Situation schneller erreicht werden als erwartet und wir sind nun bereits in einer guten Ausgangslage, um in den nächsten 12 Monaten viele tolle Projekte umzusetzen.

Wenn Du Dir einen Profigolfer und/oder eine Profigolferin aussuchen könntest: Wer sollte das Noble Golf Logo tragen?

Tiger Woods wäre ein klasse Ambassador für Noble Golf

Es ist schwierig, sich hier für einen Golfer oder eine Golferin zu entscheiden. Ich finde es faszinierend, dass die kleinen Unterschiede zwischen den Profis doch enorme Unterschiede im Ergebnis zur Folge haben. Ich schätze jeden Profi und würde mich auch über jeden freuen.

Um deine Frage trotzdem zu beantworten, grenze ich es trotzdem etwas ein: Tiger Woods ist auf jeden Fall einer meiner Favoriten, da er mich seit meiner Jugend fasziniert hat und einfach ein Ausnahmetalent ist, was er immer wieder auch mit seinen Comebacks bewiesen hat.

Bryson DeChambeau steht bei mir auch ganz oben. Natürlich auch wegen der guten Show, die er mit seinen risikoreichen Schlägen bietet. Aber vor allem weil der „Mad Scientist“ enorm analytisch handelt und ich mich damit selbst etwas identifizieren kann.

Ich möchte auch eine Golferin nennen. Ich würde mich freuen, Emma Spitz für unsere Marke gewinnen zu können. Emma Spitz ist eine österreichische Nachwuchs-Golferin, die im aktuellen World Amateur Golf Ranking die Nummer 9 ist und auch in unserem Nationalteam spielt.

Zurück zur Gegenwart. Ihr seid während einer weltweiten Pandemie gestartet? Gab es besondere Herausforderungen zu meistern und wie seid ihr mit dem Start zufrieden??

Die Idee zu Noble Golf ist wie oben beschrieben bereits längere Zeit vor der Pandemie entstanden. Aber natürlich war es zu Beginn nicht abzusehen, wie stark die Beeinflussung unseres Alltags und unseres Unternehmens werden würde. Wir bereuen es auf keinen Fall, dass wir den Verkaufsstart unseres Noble Advantage Golfballs – trotz Corona – nach Plan umgesetzt haben.

Herausforderungen gab es etliche, aber die hätte es auch ohne Covid gegeben. Der Beginn eines solchen Projektes ist ja immer mit Herausforderungen gezeichnet wird. Aktuell sind es vor allem die weiter steigenden Kosten für Logistik und Material-Beschaffung, mit denen wir täglich kämpfen. Man muss sich vorstellen, dass Logistikkosten um bis zu 800 Prozent gestiegen sind. Bis Ende des Jahres wird das auch noch so weiter gehen.

Insgesamt sind wir trotzdem sehr zufrieden mit dem Start. Wir konnten einiges, wenn auch nicht alles, termingerecht umsetzen und die Rückmeldung der Kunden sind mehr als nur gut. Ich glaube, sehr viele fühlen sich von unserer Marke und unseren Einstellungen angesprochen. Kombiniert mit unserer hohen Qualität haben wir so eine außergewöhnlich hohe Wiederkaufsrate von aktuell um die 85 Prozent erreicht.

Außerdem haben wir bereits jetzt, Mitte des Jahres, in einigen europäischen Ländern einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht und die Tendenz ist stark steigend. Wir freuen uns außerordentlich auf die kommenden Jahre und sind bereits jetzt sehr dankbar für jeden einzelnen Kunden und die vielen freundlichen und motivierenden Nachrichten, die wir bekommen.

Kommst Du überhaupt noch selbst dazu, regelmäßig Golf zu spielen? Wo trifft man dich dann?

Regelmäßig würde ich es nicht unbedingt nennen, aber ich kann mich auch nicht beschweren. Es gibt Phasen, in denen ich ein-zwei ruhigere Wochen vor mir habe, und es gibt Phasen, in denen wird zwei Wochen kaum bis gar nicht gespielt. In den ruhigeren Phasen findet man mich sowohl auf der Range als auf dem Platz. Wie oben beschrieben beschäftige ich mich auch intensiv mit der Technik. Wenn es die Zeit zulässt, werden dann auch mal am Wochenende mehrere hundert Bälle auf der Range verschossen.

Zumeist ist es aber so, dass ich spontan nach der Arbeit für 9 oder 18 Loch auf den Platz gehe. Dabei habe ich besonders Freude daran, neue Golfer und Golferinnen kennenzulernen und mich auch mal abseits von Noble Golf mit Leuten über diesen großartigen Sport auszutauschen.

Ein großer Vorteil, wenn man in der Golf-Branche arbeitet, ist natürlich, dass ich auch diverse Besprechungen mit unseren Großkunden, für die wir personalisierte Produkte erstellen, am Golfplatz mit anschließender Runde abhalten kann. Auch die Organisation unserer Team-Events benötigt nicht viel Aufwand zur Ideenfindung.

Wie geht dein Satz weiter „Golf ist der beste Sport, weil…“?

Golf ist für mich der beste Sport, weil kein anderer Sport eine Community schafft, in der jeder, nahezu unabhängig von Geschlecht, Alter und Verfassung, gemeinsam mit- und gegeneinander spielen kann. Es ist doch grundsätzlich so: Jeder, der gehen kann, kann auch golfen.

Weiters fasziniert mich die Kombination aus Kopf und Körper, kombiniert mit einer so präzisen Technik, dass der kleinste Einflussfaktor zwischen deiner besten und schlechtesten Runde entscheiden kann.

Vielen Dank, Raimund, für deine Antworten. Allzeit schönes Spiel!

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