Ein Dutzend Fragen an … Anka Lindner

In dieser Serie stelle ich ganz unterschiedliche Persönlichkeiten aus der weiten Welt des Golf vor. Heute geht es um Golf Professional Anka Lindner, die eigentlich Ann-Kathrin heißt.

Anka Lindner stammt aus Burgdorf, also fast um die Ecke für mich. Nach der Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau im Burgdorfer Golfclub zog es sie zum Golfclub St. Leon-Rot. Zunächst sammelte sie als Golf-Amateurin Erfolge und wechselte dann 2013 ins Profi-Lager.

Anka Lindner am Abschlag

In ihren ersten beiden Profijahren war sie nach Sandra Gal und Caroline Masson drittbeste deutsche Spielerin weltweit und kletterte bis auf Platz 190 der Weltrangliste der Damen. Anschließend flachte die Erfolgskurve ein wenig ab, bis sie ein Kreuzbandriss 2016 sogar komplett außer Gefecht setzte.

Von 2018 an machte Anka Lindner im Golfclub St. Leon-Rot die Ausbildung zur PGA-Professional, die sie Anfang 2020 abschloss. Seit März 2020 ist sie wieder zurück in der Heimat im Burgdorfer Golfclub. Dort führt sie die Golf Akademie, bevor sie durch die Auswirkungen der Coronakrise vorübergehend ausgebremst wurde.

Verfolgen kann man Anka über Facebook und Instagram, weitere Infos (und die Option Unterricht zu buchen) gibt es auf ihrer Homepage www.anka-lindner-golf.de.

Vielen Dank, Anka, dass Du Dir die Zeit nimmst, mir meine Fragen zu beantworten.

1) Wann hast Du mit Golf angefangen und wie ist es dazu gekommen?

Ich habe Ostern 2003 angefangen, da war ich 15 Jahre alt. Eine Freundin meiner Eltern war zu Besuch, die die Platzreife noch nicht geschafft hatte, und ich habe mich dann überreden lassen, mal mitzukommen. Und da hat es mich dann, eigentlich schon nach dem ersten Schlag, richtig erwischt. Von da an wollte ich jeden Tag auf den Golfplatz.

2) Ab wann hast Du gemerkt, dass Golf für Dich mehr als nur ein Hobby sein kann? War Dir gleich klar, dass Du auf die Tour willst?

Tatsächlich habe ich schon nach dem ersten Jahr Golf gedacht, ich will Profi werden. Ich wollte eigentlich schon immer irgendwas Sportliches machen und Berufssportler zu sein.

Und eben schon nach einem Jahr habe ich gedacht „boah, Golf, das ist es“ und habe es aus Versehen auch mal laut ausgesprochen. Das habe ich dann aber gleich wieder zurückgenommen, weil ich gar nicht mit so einer riesen Erwartungshaltung auf den Schultern spielen wollte – auch nicht einer Erwartungshaltung an mich selbst. Ich wollte einfach weiter spielen und das hat dann ja so auch gut geklappt.

3) Der Wechsel vom Amateur zum Profi, wie war das für Dich – und würdest Du es mit dem Wissen heute anders angehen oder etwas ändern?

Ich war mit meinem letzten Amateurjahr 2012 so zufrieden und hatte viel Selbstvertrauen getankt durch sehr gute Amateurplatzierungen international, dass ich gesagt habe „Ich mache den Schritt“.

Ich würde es auch genau wieder so angehen, wenn es die Möglichkeit gäbe. Im Grunde habe ich immer das Quäntchen Glück gehabt, wenn es darauf ankam.

Als ich Profi geworden bin ist zum Beispiel auch gerade die Managementagentur im Golfclub St. Leon-Rot entstanden, in die ich dann ja auch reingekommen bin. Dadurch war finanziell so ziemlich alles abgedeckt.

Gleichzeitig hatte der Verband auch gerade angefangen, die Profis mehr zu fördern, weil Golf wieder olympisch geworden war. Dadurch hatte ich nicht diesen schweren Rucksack der finanziellen Belastung auf mir. Das hat natürlich den Druck genommen, sofort Geld verdienen zu müssen.

Irgendwie lief es von Anfang an ziemlich super, alles war perfekt organisiert. Ich glaube, besser hätte es nicht laufen können. Ich war top abgesichert in einem Top Golfclub, der seine Sportler auch intensiv unterstützt hat.

4) Du hast gleich in deinem ersten Profijahr einen Sieg eingefahren und noch mehrere Top-Ergebnisse erzielt. Danach flachte es ein bisschen ab – wie erklärst Du Dir das?

Der Start war wirklich ziemlich perfekt. Ich hatte wie gesagt wenig Belastungen und habe mich einfach nur gefreut, Golf spielen zu können. Außerdem hatte ich mich vorab intensiv informiert und war damit einigermaßen gut vorbereitet auf das, was mich auf der Tour erwartete.

Deshalb habe ich mich von vornherein super wohl gefühlt und konnte befreit aufspielen. Und mit jedem guten Ergebnis tankst Du ja auch Selbstvertrauen und nimmst das mit in die nächste Runde und die nächsten Turniere.

Dass es ab 2015 dann abflachte erkläre ich mir tatsächlich auch ein Stück weit damit, dass der Erfolg schon so früh kam und dieser Erfolgshunger dann irgendwie auch ausblieb.

Ich hatte mir ja schon direkt im ersten Jahr bewiesen, dass ich oben mitspielen kann. Tatsächlich baute sich dadurch aber meine Motivation, auch im Training immer alles herauszuholen, etwas ab. Und mein Fokus lag dann teilweise auch nicht mehr nur noch auf Golf.

Dann gab es auch noch einen Trainerwechsel, der einen Einschnitt bedeutet hat. Obwohl mir die Ansätze der neuen Trainerin eigentlich gut gefallen hatten, wirkte alles nicht so gut und das machte die Sache zusätzlich noch schwieriger für mich.

Und dann kam ja der Kreuzbandriss direkt Anfang 2016.

Anka Lindner im Einsatz

5) Wieso hast Du Dich dann 2018 dazu entschieden, die Seiten zu wechseln und eine Ausbildung zum Teaching Pro zu beginnen?

Ich habe schon Ende 2016, also im Jahr mit dem Kreuzbandriss, die Ausbildung zur Assistentin gemacht. Als Quereinsteigerin konnte ich mich da direkt für die Prüfung anmelden. Und beim Lernen dafür habe ich einfach gemerkt, dass es mir total Spaß macht, mir Sachen wie Golftechnik und so anzueignen. Den C-Trainerschein hatte ich ja früher auch schonmal gemacht gehabt.

Ich mag das, etwas weiterzugeben und zu unterrichten. Auch die Rückmeldung mag ich total, wenn jemand das wertschätzt, was Du da machst.

Das ist als Playing Pro einfach nicht so. Man wird vielleicht eine Zeit lang gehyped und man schaut auf zu Dir und ist begeistert. Aber ich habe mich auch manchmal gefühlt wie im Zoo (Anka lacht).

Und dann kam noch Herr Hasenbein, der Prüfungsleiter, nach der Assistentenprüfung auf mich zu und meinte „Frau Lindner, ich weiß, dass sie weiterspielen wollen. Aber überlegen Sie sich das gut.“ Er hatte die Einzelunterrichts-Probe von mir mitbekommen und fand die wohl sehr gut.

Dementsprechend hat das natürlich mein Selbstbewusstsein verstärkt. Wenn der Prüfungsleiter sowas zu Dir sagt, dann könnte das doch passen.

Ich bin dann noch Ende 2016 in die Saison gestartet und habe mich eigentlich auch sehr gut gefühlt. Aber irgendwie haben sich da die Ergebnisse nicht mehr so eingestellt. Wenn man dann dreimal hintereinander um einen Schlag den Cut verpasst, dann ist das auf Dauer halt blöd – auch für die Motivation.

Dazu kam, dass der Managementvertrag gekündigt war und die Suche nach Sponsoren sich viel schwerer gestaltete, als vom neuen Manager suggeriert worden war. Also war ich plötzlich darauf angewiesen, mit möglichst jedem Turnier Geld zu verdienen.

Gleichzeitig wurde die Tour (LET) auf nur noch zwölf Turniere verkürzt und das war wirklich arm. Gefühlt einmal im Monat nur ein Turnier zu spielen, da kommt kein Rhythmus auf. Das hat sich für mich falsch angefühlt, fast wie ein Halbtagsjob.

Durch all das in Summe ist mir mehr und mehr die Lust vergangen, weiter als Golfprofi auf der Tour zu spielen. Von daher ist Mitte 2017 die Entscheidung dann gereift, die Ausbildung ab 2018 anzufangen.

6) Was glaubst Du, wie groß ist der Vorteil für Deine Schüler, dass Du als ehemalige Playing Proette jetzt unterrichtest? Können Du und Deine Schüler auch von dieser Erfahrung profitieren?

Ich glaube, für den Unterricht direkt spielt es erstmal keine große Rolle. Meine Trainer damals, von denen ich alles gelernt haben, Marcus Neumann und Christoph Herrmann, waren auch keine extrem guten Golfer. Die hatten Handicap 4 und waren weit weg vom Profigolf.

Aber letztendlich gibt es so viele andere Dinge und wichtige Komponenten, das Mentale und das Wissenschaftliche dahinter zum Beispiel, was die einfach drauf haben, die extrem wertvoll sind.

Was ich merke ist aber, dass ich viele Einfälle habe und sehr kreativ bin, was Übungen angeht. Ich habe ja selbst sehr viel trainiert und hatte sehr gute Trainer und konnte da natürlich auch sehr viel abgucken.

Auf dem Weg zum Tourpro nimmt man viel mit. Und mit den besten Spielerinnen der Welt gespielt zu haben, verschiedenste Plätze unter wechselhaften Bedingungen gespielt zu haben, diversen Drucksituationen ausgesetzt gewesen zu sein, das sind sicherlich Vorteile, die wenige Trainer haben.

7) Deine Ausbildung hast Du in St. Leon-Rot absolviert, bist danach aber zu Anfang März zurück in den Burgdorfer Golfclub gewechselt – warum dieser Schritt?

Anka Lindner an ihrer neuen Wirkungsstätte, dem Burgdorfer Golfclub
[Fotocredit: Burgdorfer Golfclub]

Für die Ausbildung kam für mich tatsächlich nur St. Leon-Rot in Frage. Ich wollte in alle Altersstufen und in alle Spielstärken reinschauen. In St.Leon-Rot ist einfach eine viel größere Akademie, die unendlich viele Kurse anbietet, die aber auch bis hin zu Leistungssportlern alle Stärken betreut. Da konnte ich überall mal reinschauen, weil ich dadurch die größte Bandbreite habe.

Dort in der Akademie hätte ich dann aber nicht weiter arbeiten wollen, weil ich eben nicht Teil einer Akademie sein wollte. Ich möchte selbstbestimmt arbeiten.

Das Angebot aus Burgdorf zu kriegen war deshalb perfekt. Das habe ich mir eigentlich auch immer schon vorgestellt, dass ich eines Tages wieder zurück in die Heimat gehe. Burgdorf ist mein Zuhause, ich habe dem Golfclub viel zu verdanken. Das ist für mich wirklich auch eine Herzensangelegenheit, wieder zurück zu kommen.

Mein Wunsch war es immer, eine eigene Akademie aufzumachen – am liebsten in Burgdorf. Dass es jetzt so schnell klappt, ist natürlich ein Traum. Das hätte nicht besser für mich laufen können.

8) Du hast nun mit der Corona-Pandemie und den massiven Einschränkungen seit Mitte März den denkbar ungünstigsten Start in diesen neuen Berufsabschnitt erwischt. Was machst Du im Moment? Wie schaffst Du es, jetzt über die Runden zu kommen?

Der Start ist wirklich denkbar ungünstig. Momentan ist es leider nicht möglich, Geld zu verdienen. Ich habe aber zum Glück nicht die größten Ausgaben. Ich muss keine Familie ernähren, habe keine Kinder und wohne im Moment noch mietfrei bei meiner Familie in Ehlershausen. Aktuell ist der Fall für mich also noch relativ weich.

Zur Zeit mache ich viel Fortbildung, da wird online einiges angeboten. Die PGA of Germany stellt zum Beispiel einige Webinare zur Verfügung.

Außerdem musste im Golfclub noch einiges getan werden. Ich habe ja für die Akademie den Raum zur Verfügung gestellt bekommen. Den habe ich erst einmal komplett entrümpelt und auf Vordermann gebracht.

Und es kann sein, je nachdem wie lange das jetzt noch andauert, dass ich den Greenkeepern noch helfen kann und darf.

9) In Deiner Vita steht etwas, von dem die meisten Golferinnen wahrscheinlich ein Leben lang träumen: Du warst Teilnehmerin beim Solheimcup. Allerdings als Caddie (für Florentyna Parker) – wie war das?

Eine sehr schöne Frage. Spätestens seit 2015, als der Solheim-Cup in Deutschland in St. Leon-Rot war, ist das für mich persönlich ein Mega-Event. Und dass ich dann 2017 sogar Teil des Teams war, das war ein absolutes Highlight für mich.

Ich habe Menschen kennengelernt, Hall-of-Fame-Mitglied Annika Sörenstam, das war enorm viel wert. Das gibt dir extrem viel, so wie sie auf dich zukommt, so wie sie dich nimmt. Aber auch die anderen Golfer dort – das war so eine wertvolle Woche, da steckte soviel Energie dahinter.

Ich erinnere mich immer noch so gern an diese Schlange zurück wie wir alle Arm in Arm Emily Pedersen zum letzten Grün begleitet haben. Das war enorm, da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut. Das waren ganz tolle Erlebnisse, an die ich immer gerne zurückdenke.

10) Wäre auch eine Karriere als Berufscaddie eine Option für Dich gewesen? Immerhin gibt es ja auch dort ein paar bekannte Vorbilder.

(Anka lacht)

Also, ich bin nicht die Größte, ich bin aber sehr sportlich und ich habe Kraft. Aber diese Tasche zu tragen, tagein tagaus, daran würde ich so kaputt gehen. Ich krieg davon solche Nackenschmerzen und Hüftschmerzen – mir tat einfach nur alles weh in der Solheim-Cup-Woche.

Ich hab dann ja nochmal beim Major KPMG für Flori (Florentyna Parker) den Caddie gemacht mit einer Tourtasche – also das killt mich komplett. Daran scheitert es, dass ich einfach diese Tasche nicht tragen kann.

Obwohl mir das wirklich Spaß macht. Ich helfe gerne, ich unterstützte gerne und ich freu mich so für andere, wenn die ihre Leistung bringen. Und auch das Leben auf der Tour, das Miteinander mit allen und so, das gefällt mir total. Aber diese Tasche zu tragen, das wäre der Tod für mich. Das kann ich nicht.

11) Vielleicht könntest Du alternativ auch zum Fernsehen: Wie oft wirst Du noch auf Deinen Auftritt bei „Wetten dass…?“ angesprochen und wie siehst Du es selbst heute?

Tatsächlich werde ich das eine oder andere Mal noch angesprochen darauf. Ich freu mich dann auch immer, daran zu denken, aber letztendlich ist das sehr, sehr weit weg für mich. Es ist einfach so lange her.

Aber es war für mich eine ganz tolle Erfahrung, die mir auch Selbstvertrauen gegeben hat. Wenn du schon einmal so eine Anspannung in dir hattest, so eine Aufregung gespürt hattest, dagegen war alles andere – selbst auf der Tour – dann Kindergarten von der Aufregung her. (Anka lacht)

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12) Wie geht Dein Satz weiter „Golf ist der beste Sport, weil…“

…er so vielfältig ist und es jeden Tag neue Aufgaben zu lösen gibt.

Vielen Dank, Anka, für Deine Antworten.

2 Kommentare

  1. …wieder ein toller Blick hinter dir Kulissen, persönlich wie auch sportlich, klasse geschrieben, und das mit den Schmerzen als Caddie kann ich bestätigen…😁…dennoch bleiben die schönen Erlebnisse im Vordergrund….schöne Ostertage für dich und deine Familie.
    LG Stephan

    1. Danke Dir,
      ja, bei der Caddie-Frage musste ich auch kurz an dich denken. Wobei deine Statur schon anders ist als Ankas… 😁
      Dir und den deinen auch eine schöne Osterzeit, bleibt gesund.

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