Wo bekommt man neue Golfer her?

Allerorten hört man, dass doch eigentlich viel mehr Menschen Golf spielen müssten. Und überhaupt sind die Entwicklungszahlen, die der DGV verkündet, peinlich und lächerlich und endlich müsste mal jemand etwas machen. Deutschland braucht mehr neue Golfer und man muss etwas ändern.

Sicher muss sich Golf für den einen oder anderen anpassen, was den Zeitaufwand angeht. Aber gilt das wirklich für alle? Immerhin bin ich selbst zum Golf gekommen, während es sich noch nicht geändert hat. Ich habe mich also für das alte, langweilige Golf begeistert, das angeblich so dringend durch DGV und Co. modernisiert werden sollte. Das gleiche gilt übrigens auch für so ziemlich alle, die genau diese Behauptung aufstellen… 😉

Bevor ich mich lange mit einer Diskussion herumärgere, warum ein zentraler DGV-Werbespot eben nicht „nur herausgeworfenes Geld“ ist (aber natürlich auch nicht das Allheilmittel), wollte ich mich lieber einer anderen Frage widmen: Wie kann ich, wie können wir aktive Golfer dazu beitragen, Neugolfern unseren Sport näher zu bringen.

Wir selbst sind die Botschafter

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Ich bin der festen Überzeugung, dass die wichtigsten Botschafter unseres Sports nicht die großen Stars sind (auch wenn die für mediale Aufmerksamkeit sorgen). Ganz sicher sind es auch nicht irgendwelche Personen in Werbespots – es sind wir selbst, die aktiven Golfer.

Grob gerechnet 640.000 von uns sind aktuell in Golfclubs organisiert und könnten als Botschafter dafür sorgen, dass dem Golf der Nachwuchs nicht ausgeht. Von den weiteren golfspielenden Menschen noch gar nicht zu reden…

Woher nun mit neuen Golfern?

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich es bisher nicht einmal geschafft, auch nur eines meiner Familienmitglieder vom Golf zu überzeugen. Dabei sollte man doch genau da anfangen, um zum Beispiel die gemeinsamen Urlaube zu Golf-Urlauben machen zu können.

Immerhin zeigt meine Tochter mit ihren fünf Jahren jetzt langsam eine gewisse Neugierde, aber meine Frau schaut schon fast mitleidig, wenn ich mit dem Thema anfange. Mein 16-jähriger Sohn ist mit Schule, Freundin und diversen Hobbies mehr als ausreichend beschäftigt und scheidet damit auch aus.

Meine Mutter wiederum sagt, dass Golf sicher ein Sport für sie wäre – aber sie hätte einfach keine Zeit dazu. Gut, Mama ist speziell und ständig auf Achse: Schützenverein, Freundinnenbesuche, Kurzurlaub, Garten und was man sonst noch so als rüstige Rentnerin mit Hummeln im Hintern macht. Aber als Golf-Nachwuchs taugt sie eben auch nicht wirklich mit ihren über 70 Jahren.

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Welche zentralen Ideen gibt es?

Also was gäbe es noch für Wege, dass wir Aktive uns einbringen und dem Golfsport den vermeintlich so dringend benötigten Nachwuchs zuführen? Zwei Maßnahmen fallen mir dazu ein:

Der offizielle Golf-Schnuppertag und die DGV-Aktion „gemeinsam Golfen“.

Ich habe beides 2018 innerhalb von zweieinhalb Wochen erlebt und wollte deshalb einmal einen Vergleich ziehen. Natürlich ist die Betrachtung subjektiv, das muss ich vorweg schicken.

Golf-Schnuppertag im Club

Mein Heimatclub Golfclub Herzogstadt Celle hatte seinen letztjährigen Golf-Erlebnistag auf den 1. Mai terminiert. An den Tagen davor und auch danach hatten wir sehr gutes Wetter, es war trocken, sonnig und einfach schön.

Nur leider nicht am 1. Mai – da gab es eine Unwetterwarnung mit Sturmböen und es sollte tatsächlich ziemlich ungemütlich werden.

Umso überraschter war ich, als ich nachmittags mit meiner Tochter zum Club kam (ich hatte sie mit der Aussicht auf ein Eis tatsächlich überreden können). Unsere liebe Kirsten aus dem Sekretariat erzählte mir, dass etwa 50 bis 60 Interessierte trotz des unangenehmen Wetters den Weg zum Golfplatz gefunden hatten.

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Auf der Driving Range war immer etwas los und auch auf dem Putting Grün haben sich die meisten versucht – und hatten Spaß.

Eine Cart-Runde über den Platz

Besonders beliebt war übrigens die „Cart-Tour über den Platz“. Vier Golfcarts waren fast pausenlos im Einsatz und sind mit den Gästen über den Golfplatz gefahren. Aus meiner Sicht war das eine der wichtigsten Angebote des Schnuppertages.

Welcher Nichtgolfer war denn schon einmal auf einem Golfplatz?

Drei der Interessierten hatten sich gleich für einen der nächsten Platzreifekurse angemeldet, das kann man schon als Erfolg verbuchen. Von daher würde ich die Aktion an sich als lohnenswert bezeichnen.

Vorteile Nachteile
  • Ein fester Termin kann gut zentral beworben werden
  • In lockerer Atmosphäre können Neugierige Golf zwanglos ausprobieren
  • Gruppendynamik führt dazu, dass der eine oder andere „Zögerer“ sich dann doch versucht
  • Man könnte den Eventcharakter noch weiter steigern (z.B. durch Grillen etc.)
  • Terminbindung bedeutet Glücksspiel mit dem Wetter
  • Ein einzelner Termin ist womöglich etwas zu wenig
  • Personalintensive Maßnahme, es werden viele freiwillige Helfer benötigt

Aktion „Gemeinsam Golfen“

Mein Nachbar gehört zum Glück zu denen, die sich von Vorurteilen nicht abschrecken lassen, sondern neugierig sind. Also bin ich mit ihm eines schönen morgens zu meinem Club gefahren, um im Rahmen der DGV-Aktion „Gemeinsam Golfen“ eine Runde Golf zu spielen.

Nachdem wir zunächst auf dem Puttinggrün versucht haben, ein bisschen mit den Schlägern (Putter und 9er Eisen für kleinere Chips) warm zu werden, ging es rüber zur Driving Range.

Unsere Driving Range / Foto: Genth

Ich habe ihm den Griff und die Idee von der Bewegung gezeigt und dann einen Ball aufgeteet. Ich hatte ihm zunächst mein 9er Eisen in die Hand gedrückt, weil der kürzere Schaft die Treffer-Chance aus meiner Sicht etwas erhöht (danke Oliver Heuler).

Und dann hat er sich hingestellt, ausgeholt und … Luftschlag … und ein leicht irritiertes Gesicht. Also noch einmal hinstellen … ausholen und … Luftschlag. Das ging fünfmal so und er konnte von Mal zu Mal weniger verstehen, warum er den verdammten Ball nicht traf. Beim sechsten Schlag hat er ihn das erste Mal getroffen, wenn auch etwas getoppt.

Der erste richtige Treffer entscheidet

Bei Schlag sieben allerdings hat der Ball genau das gemacht, was er sollte: er ist abgezischt, hoch, weit und gerade. Und mein Nachbar stand vor mir mit diesem Ausdruck im Gesicht, den jeder Golfer von seinem eigenen ersten richtigen Treffer noch kennt: Glückseligkeit.

Er hat von da an mit noch mehr Enthusiasmus Bälle geschlagen und wollte zwischendurch auch ein-zweimal den Schläger wechseln, um ein 7er Eisen oder das 6er zu probieren. Und bis auf ein paar Fehlschläge hat er den Ball relativ zuverlässig getroffen. Die Treffer waren nicht immer satt und perfekt, aber insgesamt recht ordentlich für jemanden, der bis vor einer halben Stunde noch nie einen Golfschläger in der Hand hatte.

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Anschließend sind wir auf unseren Platz gegangen und haben einige Löcher gemeinsam gespielt. Wir haben beide meine Schläger genommen, aber natürlich hatte jeder seinen eigenen Ball.

Abschlag mit dem Eisen 7 / Foto: Genth

In Celle ist es so geregelt, dass der Nichtgolfer (je nach Talent) zunächst einmal auch auf dem Fairway den Ball aufteen soll. Das hat mein Nachbar anfangs auch getan, aber relativ schnell gefragt, ob er es auch einmal „richtig“ probieren dürfe – da er den Ball wirklich gut traf, war das in Ordnung.

Er hat sich auf unserer Runde weitestgehend an das Eisen 7 gehalten, mit dem er die besten und zuverlässigsten Treffer erzielen konnte.

Auf den Grüns hatte er sich von Anfang an recht geschickt angestellt und man sah ihm richtig an, dass auch hier sein Ehrgeiz geweckt war.

Unsere schwierigste Bahn (langes Par 4 Dogleg rechts) hat er im Bogey gespielt und spätestens da war es um ihn geschehen. Das Ende vom Lied: Mein Nachbar ist richtig angefixt und wird in diesem Frühjahr seine Platzreife bei uns in Celle machen.

Ich habe also einen neuen Golfbuddy gewonnen, indem ich einfach einmal jemanden auf den Platz mitgenommen habe. Zwei weitere Verabredungen mit Nichtgolfern für dieses Jahr habe ich auch schon.

Vorteile Nachteile
  • Persönlicher kann ein Kontakt nicht sein
  • Der Termin kann frei abgestimmt werden (natürlich mit Rücksichtnahme auf den Club)
  • Die Aktion wird vom DGV gestützt und es gibt für den Golfer sogar etwas zu gewinnen
  • Im persönlichen Kontakt lassen sich Vorbehalte und Vorurteile noch einfacher ausräumen
  • Natürlich recht zeitaufwändig für den einzelnen Golfer
  • Nur etwa 430 Clubs machen aktuell bei der Aktion mit
  • Je nach Club dürfen die Nichtgolfer evtl. nur mit dem Putter oder gar nicht selbst auf dem Platz spielen
  • Professionelle Anleitung fehlt

Fazit

Natürlich sind meine Eindrücke sehr subjektiv, von daher maße ich mir nicht an, dass sie der Weisheit letzter Schluss sind. Und genauso selbstverständlich hängt es auch an den Clubs, die eine oder andere Aktion überhaupt erst einmal durchzuführen.

Bildquelle: www.pixabay.com/de

Im Endeffekt aber kann ich meine Erkenntnis festhalten: Neue Golfer zu gewinnen ist kein Bringgeschäft, sondern Holgeschäft!

Wir alle können/müssen etwas dafür tun, dass der Golfsport (wieder) wächst – wir müssen es nur machen. Ich gebe zu, auf andere zu zeigen und zu jammern ist einfacher und geht auch vom Sofa aus. Aber einen guten Freund unter den Arm zu nehmen, mitzuschleifen und dann für die eigene Lieblingssportart zu gewinnen ist langfristig so viel besser.

Meinen Kandidaten für die Aktion „Gemeinsam Golfen“ sage ich immer das gleiche. Und genau genommen sollte man es jedem Sprücheklopfer und Vorurteil-Wiederkäuer auch entgegnen:

Probiert es einfach einmal selbst aus – im „schlimmsten“ Fall wird es eine Erfahrung.

Wem Golf danach immer noch nicht gefällt, der weiß es wenigstens aus erster Hand und hat sich selbst ein Bild gemacht. Und wer unserem schönen Sport verfällt, der hat etwas, das er bis ans Ende seines Lebens und fast überall auf der Welt machen kann – mit vielen golfbegeisterten Freunden.

PS

Der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass es natürlich noch weitere Maßnahmen gibt, die auch ihre Vor- und Nachteile haben. „Abschlag Schule“ als wirklich gute Kooperationsidee zwischen Golfclub und weiterführender Schule fällt mir da als erstes ein oder die in der Theorie gute Idee der „Golf Mentoren“. Auf beides gehe ich vielleicht irgendwann einmal in einem eigenen Text näher ein.

2 Kommentare

  1. Ich bin momentan im zwölften Monat Golfer (Platzreife in einem Türkei-Urlaub im Februar 2018) und sehr begeistert von diesem Sport. Insbesondere habe ich festgestellt, dass ich mich auf der Runde sehr gut „aktiv erholen“ kann. Als besonders förderlich hat sich in diesem Zusammenhang folgende Konstellationen erwiesen: nette Flightpartner, kein Druck „von hinten“ und Platz nach vorne. Als typischer berufstätiger Wochenendspieler bin ich daher in der Regel entweder sehr früh oder sehr spät auf dem Platz und freue mich darüber, wenn auf dem Parkplatz nur wenige Autos stehen. S

    Schon alleine aus wirtschaftlichen Gründen ist es natürlich erforderlich, dass die Anzahl der Golfclub-Mitglieder nicht erodiert. Dennoch frage ich mich, welche Vorteile es hätte, wenn beispielsweise doppelt so viele Menschen Golf spielen würden. Gäbe es doppelt so viele Plätze? Falls nein: Würden nicht-wochenendgebundene Golfer freiwillig auf die Werktage ausweichen? Wären die Startzeiten am Wochenende für Berufstätige reserviert?

    1. Die Frage ist berechtigt. Ich glaube nicht, dass es ein großes Wachstum an Golfanlagen gäbe – vielmehr würde es mutmaßlich eher voller auf den vorhandenen Plätzen. Wobei auch hier sich die Spreu vom Weizen trennen würde (gut besuchte vs. weniger gut besuchte Plätze).
      Aber das ist natürlich System Glaskugel… 😉

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