Ungeschriebene Regeln für einen Golf Caddie

Ein guter Caddie beim Golf spart seinem Spieler einige Schläge, sagt man. Das liegt daran, dass er deutlich mehr macht, als „nur“ die Tasche zu tragen. Aber was eigentlich genau? Was muss ich können oder machen, wenn ich morgen an der Tasche eines PGA-Spielers stünde?

Auf der Seite „The Caddie Network“ bin ich im Sommer über einen tollen Text gestolpert, der die „ungeschriebenen Regeln für das Caddie-Dasein“ beschreibt. Außerdem habe ich ja schon einmal einen Golf Caddie interviewen dürfen – das Dutzend Fragen an Caddie Stefan Türkis sei hier dringend zur Lektüre empfohlen. 

Ich habe mir deshalb mal den Spaß gemacht, beides zusammenzuwürfeln und daraus eine deutsche Beschreibung zu machen – ergänzt um Infos aus einem Video mit „Bones“, einem der wohl berühmtesten Caddies der letzten 30 Jahre.

Was muss ein Caddie eigentlich leisten?

In der Kurzfassung wird der Job des Caddie beim Golf immer ziemlich flapsig umschrieben: „Show up, keep up and (most important) shut up“. Frei übersetzt heißt das soviel wie „Sei da, halte mit und halt vor allem die Klappe“.

Ganz so leicht ist es freilich nicht. Zunächst geht es um einige Grundfähigkeiten – Kernkompetenzen sagt man dazu heute wohl. 

Die Grundfähigkeiten

Ein Golf Caddie hat schwer zu schleppen

Trage eine 18-22 Kilo schwere Golftasche und halte die Schläger und den Golfball immer sauber. Nimm stets ein sauberes Handtuch. Und nimm auch noch ein extra Handtuch mit.

Kenne alle relevanten Details, wie z.B. den Parkplatz, die Startzeit für die erste Runde und das Startloch. Wenn es für Deinen Profi wichtig ist, dann kenne auch die Namen der Spieler in Eurer Gruppe.

Gib in jeder Situation immer die genaue Meterzahl (oder Yards, wenn Dein Profi das lieber mag) an und beachte die Wind- und Wetterbedingungen. Und auch wenn Dein Profi das Wetter natürlich miterlebt – sage es trotzdem an.

Zum Thema Wetter

Wenn es regnet (und das wird es), verwandelst Du Dich am besten in einen Oktopus. Du hältst den Regenschirm, ein Handtuch, einen zusätzlichen Schläger und eine Putterabdeckung. Gleichzeitig wischst Du Gras und Schlamm vom Schlägerblatt, trägst natürlich weiterhin die Tasche und sorgst dafür, dass der Profi und die Schläger trocken bleiben.

Auf dem Grün kannst du dann übrigens auch das coole Halte-den-Schirm-über-den-Profi-Spiel spielen, bis er bereit ist zum Putten – das wird ein Spaß.

Elf Geheimtipps für den angehenden Golf Caddie

Das Hauptproblem ist: es gibt kein Regelheft für einen Caddie beim Golf – abgesehen von den offiziellen Golfregeln natürlich. Das liegt aber daran, dass auch jeder Profi anders ist und auf andere Dinge wert legt. Aber es gibt ein paar Geheimtipps.

(1) Schläger zählen

Zähle die Golfschläger. Häufig. Auf der Driving Range, auf dem Putting Green und auf jeden Fall auf dem ersten Abschlag.

Ian Woosnam hat bei der Open Championship 2001 in der Endrunde zwei Strafschläge kassiert, weil er mit 15 Schlägern in der Tasche auf die Runde gegangen ist.

Das ist eine Situation, die kein Caddie (und natürlich erst recht kein Profi) erleben möchte. Es sollte deshalb eine Mahnung sein, die Zahl der Schläger zu prüfen: einmal, doppelt und dreifach. Der Teufel ist ein Eichhörnchen.

(2) Klappe halten

Ja, das hatten wir schon. Gemeint ist aber, halt die Klappe, wenn jemand außer Deinem Pro einen Schlag gemacht hat. In Privatrunden sind wir es gewohnt, auch bei der Annäherung des Mitspielers „sit“ oder „go“ zu sagen (auch wenn inzwischen ziemlich sicher ist, dass Golfbälle gar nicht hören können). Schenk Dir das, wenn Du die Tasche Deines Profis weiterhin tragen willst.

Natürlich darf man anerkennend nicken, wenn ein anderer Profi eben Profisachen mit dem Ball macht. Bei kleinen Wundern ist auch ein ruhiges „guter Schlag“ in Ordnung. Aber ansonsten: halt die Klappe und konzentriere Dich auf Deinen Job – das ist Dein Profi und sein Spiel.

(3) Bunker harken ist eine Kunst

Erarbeite Dir eine perfekte Technik, einen Bunker zu harken. Es ist gar nicht so einfach wie es ausschaut. Übe es zur Not vorher auf Deinem Heimatplatz oder auf dem Trainingsgelände. Die besten Caddies können einen Bunker so harken, dass er nachher besser ausschaut als vorher.

(4) Ein liegendes Bag fällt nie um

Falls Du das Bag einmal kurz unbeaufsichtigt lassen musst, um zum Beispiel einen Sprinklerdeckel abzuschreiten oder ähnliches: Wenn es auch nur den geringsten Verdacht gibt, das Bag könnte umfallen, dann lege es hin. Sieht zwar nicht so cool aus, spart Dir aber einen möglichen peinlichen Moment.

(5) Sei ein guter Ballfänger

Wenn Dein Profi seinen Ball auf dem Grün markiert hat, wirft er ihn manchmal hart und nicht immer genau in Deine Richtung. Pass auf und kenne seine Neigungen. Hoffentlich wurdest du als guter Fänger geboren oder hast ein Kind zu Hause, mit dem du üben kannst. 

(6) Den Ball niemals in Wassernähe zurückwerfen

Wirf den Ball niemals in der Nähe von Wasser zurück zu Deinem Spieler. Es sei denn Du hast eine Badehose dabei und willst ein YouTube-Star werden. Ansonsten gehe einfach zu Deinem Profi und gib ihm den Ball. Vielleicht denkst du, er schaut dich direkt an und dabei sieht er in Wirklichkeit die heiße Blondine, die direkt hinter dir steht. 

(7) Auf alle Linien achten

Achte beim Bedienen oder Herausziehen der Flagge nicht nur auf die Puttlinien aller Spieler, sondern auch darauf, wo ein „Fehlputt“ liegenbleiben würde. Niemand will das Loch verfehlen und dann seinen 60-cm-Rückputt durch einen Schuhabdruck Größe 45 spielen müssen.

(9) Scorekarte doppelt checken

Überprüfe sicherheitshalber auch Du nochmal die Scorekarte Deines Profis, bevor sie offiziell eingereicht wird. Vier Augen sehen mehr als zwei. Fehler sind ausgesprochen selten, kommen aber vor und sind richtig teuer.

(10) Ein Golf Caddie muss immer cool bleiben

Dein Profi und Du, ihr kommt mit Schwung in den ersten Turniertag. Der Profi macht Profisachen wie einen Monsterdrive nach dem anderen in die Mitte der Fairways, nagelt die Eisen an die Fahne und locht Putts zum Birdie. Du als sein Caddie bist total aufgeregt, pumpst mit der Faust und läufst schneller.

Auch wenn Dein Profi im Leaderboard nach oben klettert – beruhige Dich. Bleib auf einem gleichmäßigen Level. Professionelle Golfturniere sind Marathons. Natürlich ist ein Momentum wichtig, aber es ist die Aufgabe des Golf Caddie, so ruhig wie möglich zu bleiben. Immer leicht positiv mit einem kühlen Kopf, unabhängig von der Punktzahl oder den Umständen.

(11) Sei auf alles vorbereitet

Stell Dir vor: es läuft gut, Ihr klettert im Leaderboard langsam nach oben und plötzlich stockt es. Du schaust Deinen Profi an und siehst, dass irgend etwas nicht passt. Und dann sagt er auch was: „Ich habe Hunger.“ – und Du hast nur den Schokoriegel dabei, der schon seit drei Wochen in der Tasche liegt.

Jim „Bones“ Mackay, der langjährige Caddie von Phil Mickelson, hat einmal beschrieben, das genau das seine größte Befürchtung war. Dass Phil ihn nach irgend einer Sache fragen würde, an die er nicht gedacht hatte. Und deshalb hat er immer viel zu viel dabei gehabt – und hatte damit deutlich mehr zu schleppen. Einfach nur zur Sicherheit. 

Golf Caddie aus Passion

Für einige sind diese Dinge mühsam, aber sie sind essentiell. Die besten Golf Caddies haben genau diese Eigenschaften als angeborenes Merkmal oder sie haben sie sich durch viel Übung und Erfahrung erarbeitet. Wenn Du Zweifel hast, folge ihrem Beispiel.

Ein lohnenswerter Blick sollte in die Caddie Hall of Fame gehen. Einige überraschende Namen findet man dort übrigens auch, denn zum Beispiel Jack Nicklaus gehört ebenfalls zu diesem besonderen Kreis – weil er in jungen Jahren als Caddie seines Vaters aktiv war.

Aber natürlich taucht auch ein Jim Mackay auf oder ein Steve Williams, der an der Tasche von Tiger Woods 13 Major Titel geholt hat.

Epilog

Caddie ist ein faszinierender Job. Wie hat es Stefan Türkis in seinem Dutzend Fragen gesagt: „Du bist Prellbock und Seelsorger zugleich.“ Die Beschreibung fand ich ziemlich cool, weil sie es vermutlich am besten trifft. 

Ich würde wirklich gern einmal mit einem Caddie spielen, um herauszufinden, ob es auch schon mir etwas bringen würde und wenn ja, wieviel. Also quasi ob auch jemand wie ich von der besonderen Betreuung, Aufmerksamkeit und Unterstützung eines erfahrenen Caddies profitieren kann.

Da steht ja zum Glück noch ein Angebot von Stefan aus – mal schauen, ob das vielleicht schon nächste Saison klappt.

Übrigens

Bildquelle alle Bilder (soweit nicht anders angegeben): www.pixabay.com
Der Ursprungstext wurde von mir frei übersetzt und angepasst. Das Original stammt aus dem Juli 2019, wurde von Brian Mull geschrieben und ist hier im englischsprachigen Original zu finden: https://www.thecaddienetwork.com/the-unwritten-rules-of-caddying/

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