Ich war für zwei Tage zu einer Tagung in Chemnitz. Da mich das Abendprogramm des ersten Tages nicht allzu sehr angesprochen hat, bin ich statt dessen zum Golfclub Chemnitz gefahren, um zu sehen, ob ich eventuell noch eine schnelle Runde spielen könnte.
Besondere Grüße an Pro und Clubmanager Frank
Die Zufahrt zum Golfplatz war für mich als Ortsfremder ein wenig sonderbar. Mein Navi hat mich konsequent auf das Wasserschloss Klaffenbach zugeführt. Als ich mit dem Auto über die alte Steinbrücke direkt am Schloss fahren sollte, war ich nicht wirklich sicher, ob das so stimmen könnten – aber siehe da, man fährt unmittelbar am Schloss entlang und dahinter führt ein Weg zum Golfplatz.
Auf dem Parkplatz angekommen musste ich allerdings feststellen, dass es gar kein „richtiges“ Clubhaus gibt. Statt dessen stehen einige befestigte Zelte, die wohl übergangsweise (?) dazu genutzt werden. Der Bereich mit dem Proshop und offensichtlich dem Empfang war leider schon zu und einen Greenfeekasten gab es nicht. Nur ein kleiner Gastrobereich war noch offen, der nette junge Mann dort konnte mir aber nicht helfen.
Als ich mich schon darauf eingestellt hatte, dann eben nur ein bisschen zu chippen und zu putten kam jemand mit Clublogo auf der Brust und zwei offensichtlichen Golfschülern um die Ecke. Wie sich herausstellte war das Frank, der Golflehrer und gleichzeitig Clubmanager vom Golfclub Chemnitz. Wir haben uns kurz ausgetauscht und er hat mich dann mit einem „geh einfach los und schick mir später eine Mail wegen der Bezahlung“ auf die Runde geschickt.

Die Frontnine
Die ersten sechs Loch im Golfclub Chemnitz liegen quasi „hinter“ dem Wasserschloss (geografisch im Südwesten) und sind in eine schöne Parkanlage eingebettet. Es gibt ein bisschen Wasser, die Runde beginnt mit drei nicht übertrieben langen Par 4 Löchern. Alle drei unterscheiden sich, um einen abwechslungsreichen Start sicherzustellen.
Es folgen eine Par 3 – Par 5 – Par 3 Kombination, von denen vor allem das Par 5 eine interessante Herausforderung darstellt. Rechts ist dichter Wald auf gut 300 Metern Länge, bevor es zum Grün hin leicht rechts um die Ecke geht. Longhitter, die hier abkürzen möchten, spielen das Grün blind über die Bäume an. Das ist mit zwei Bunkern und einer Ausgrenze beschützt – es gibt einfachere Aufgaben.
Knackig lang und extra kurz
Nach einem kurzen Fußweg am Schloss vorbei in Richtung Nordosten geht es zu den „hinteren“ 12 Loch und den letzten drei der Frontnine. Hier geht es gleich mit dem längsten und schwersten Loch des Platzes weiter: das 517 Meter lange Par 5 spielt sich dann am Anfang auch noch bergauf und damit vom Tee noch etwas länger. Dafür kann man auf den „letzten“ knapp 280 Metern etwas verschnaufen – der Weg zum Grün ist sehr eben und relativ breit.

Zur Erholung folgt das kürzeste Loch der Anlage, ein kleines aber feines Par 3 mit nur 115 Metern. Zwei Bunker bewachen das leicht stufige Grün, aber mit einem guten Wedge oder kurzen Eisen sollte man sich die Chance auf einen Birdieputt erarbeiten können. Das Finale der Frontnine ist ein schönes Par 4, dessen Fairway in der Drivezone schmal und mit einem langgezogenen Bunker aufwartet. Zum Grün hin geht es leicht abwärts – ein zu langes Anspiel verschwindet schnell im dahinter liegenden Teich.
Die Backnine im Golfclub Chemnitz
Auf die zweiten neun Startet man mit einem sehr kurzen Par 5, das im Grunde fast den gesamten Weg über von rechts nach links hängt. Man arbeitet also immer gegen den natürlich Bogen, den der Ball macht, wenn man (als Rechtshänder) beim Schlag spürbar unter dem Ball steht. Da macht es spielerisch Sinn, dass das Grün etwas rechts im Gelände liegt und links von einem Bunker flankiert ist.
Loch 11 ist ein bergauf-Dogleg rechts, das kurz scheint, sich aber durch die Steigung deutlich länger spielt. Hier ist hinter dem Grün nicht allzu viel Platz – kürzer ist besser als zu lang beim Anspiel. Nach dem Wechsel über einen asphaltierten Weg geht es zum nächsten Par 3; wer sich hier an die rechts Seite hält, geht den Bunkern aus dem Weg, hat aber unter Umständen einen nicht ganz einfachen Chip vor sich.

Mein Lieblingsloch ist das folgende kürzere Par 4. Von einem leicht erhöhten Abschlag geht es aufs eher schmale und bunkerbewachte Fairway. Der Approach ist dann sehr spannend, weil das Grün links von Wasser und rechts von einer Ausgrenze eingerahmt sind. Viel Platz für seitliche Fehler bleibt da nicht. Trotz der geringen Länge mit knapp unter 300 Metern ist das Loch herausfordernd und dazu auch noch optisch sehr schön.
Das nächste Par 4 ist mir mit 400 Metern zu lang, auch wenn der kreuzförmige Bunker rund 50 Meter vor dem Grün eine optische Abwechslung bietet. Die gegenläufige kurze Folgebahn kommt ohne besondere Eigenschaften daher, ein relativ normales Par 4 zum Durchschnaufen kommt aber gerade recht.
Schönes Finale
Es folgt das knapp 200 Meter lange längste Par 3 Loch; bekanntermaßen bin ich kein Fan von langen Par 3, auch wenn ich ausgerechnet hier eines meiner seltenen Birdies spielen konnte. Da man den Abschlag von oben etwas herunter spielt kann man ein paar Meter „abziehen“, bei relativ trockenem Boden kann der zu kurze Ball auch – wie bei mir – bis aufs Grün rollen. Und dann braucht es halt Putt-Glück.

Für das große Finale geht es zurück über den Asphaltweg, um die letzten beiden Par 4 zu erreichen. Beide spielen sich leicht abwärts und beide sind mit 275 Metern und 323 Metern nicht allzu lang. Für ein versöhnliches Ende der Runde bedarf es dennoch eines präzisen Abschlags, um unnötigen Problemen aus dem Weg zu gehen – immerhin ist die gesamte linke Seite Aus.
Gerade das letzte Grün ist von weißen Pfosten „umzingelt“, mit über 30 Metern Breite sollte es aber ganz gut zu treffen sein. Meine Herausforderung bestand eher darin, die Linie richtig zu lesen, das es kleinere Wellen im Grün gibt – das gilt übrigens für einige der Grüns im Golfclub Chemnitz. Ein kleiner Fußweg führt dann wieder am Schloss vorbei zurück zum Parkplatz und dem Clubhaus.
Heidegolfer-Fazit zum Golfclub Chemnitz
Ich hatte wirklich Spaß auf dem Platz. Ich muss dazu sagen, dass ich die Löcher 14 und 15 übersprungen (und für mich als Strich gewertet) habe, um noch bei ausreichend Restlicht die beiden letzten Löcher spielen zu können. Die haben mir zum Abschluss richtig gut gefallen, auch wenn es auf der 18 schon so dunkel wurde, dass ich meinen Ball nicht mehr auf dem Grün habe landen sehen.
Insgesamt fand ich den Platz schön abwechslungsreich. Es gibt einige wirklich schöne Löcher, aber natürlich auch ein paar, die halt ziemlich „normal“ sind. Trotzdem bleibt bei mir der positive Eindruck, dass es in Summe eine schön abwechslungsreiche Runde war.

Trotz einiger auch sehr langen Löcher sind die 18 Bahnen in Summe doch recht kurz; von gelb weist die Scorekarte gerade einmal knapp 5.400 Meter aus, die roten Abschläge bieten etwa 4.750 Meter an. Das summiert sich dann zu zweimal Par 35 auf, der Golfclub Chemnitz hat also einen eher unüblichen Par 70 Platz.
Schöne Anlage und gute Grüns
Besonders gut gefallen haben mir die Grüns, die stellenweise schwer zu lesen sind. Mehr als einmal habe ich ein Break gesehen, wo gar keins war – oder umgekehrt ein vorhandenes Break nicht erkannt. Das frustriert im ersten Moment vielleicht, ich finde es aber trotzdem spannend. Am Ende bedeutet es nämlich, dass man sich noch mehr mit dem Putt auseinandersetzen muss und ich liebe Putten.
Das Greenfee ist mit knapp unter 60 Euro (in der Woche, am Wochenende 10 Euro mehr) nicht zu hoch, ich halte den Preis für absolut angemessen. Auch unter dem Gesichtspunkt kann ich nur Gutes zum Golfclub Chemnitz sagen – vom tollen Clubmanager hatte ich ja schon berichtet. Also: eine klare Empfehlung meinerseits, fahrt mal nach Chemnitz.
Kontakt
Golfclub Chemnitz e.V.
Wasserschloss Klaffenbach
Wasserschlossweg 6
09123 Chemnitz
Telefon: (0174) 4559822
mail@golfclub-chemnitz.de
www.golfclub-chemnitz.de
Bildergalerie


















Übrigens
Ich habe den Platz im Juni 2025 gespielt und mein Greenfee ganz normal (nachträglich, wie beschrieben) bezahlt. Der Bericht spiegelt meine Meinung wider, sie natürlich subjektiv ist. Eine Vergütung oder sonstige Vorteile habe ich nicht bekommen.
