Heidegolfer

Der Blog für Otto-Normalgolfer
Golfplätze

Ostsee Golf Resort Wittenbeck – Meisterschaftsplatz

Ich habe eine Woche Urlaub an der Ostsee mit der Familie gemacht und wir hatten fast durchgehend gutes Wetter. Also waren wir vor allem am Strand und haben mit unserer Kleinen (knapp vier Jahre alt) die Gegend erkundet.  Aber die beste Ehefrau der Welt hatte mir vor Urlaubsantritt schon gesagt, dass ich einen Tag Golf spielen könne und sie in der Zeit den Kinder-Bespaßungs-Dienst übernehmen würde. Also hatte ich mir für den Montag eine Startzeit für das Ostsee Golf Resort Wittenbeck gebucht und es irgendwie sogar geschafft, mein Golfbag noch mit ins Auto zu stopfen.

Zu Weihnachten hatte ich das Buch „Die 100 besten Golfplätze in Deutschland und Österreich“ (gibt’s zum Beispiel bei Amazon) geschenkt bekommen – und Wittenbeck gehört dazu. Also war meine Vorfreude natürlich besonders groß. Und siehe da: Am Montagmorgen  war der Himmel bewölkt, wir hatten etwa 15 Grad und es wehte eine leichte Brise – perfektes Wetter für Golf. Nicht nur, dass man nicht zu sehr in der Sonne brät – wenn es optisch nicht so schön ist, dann gibt es auch weniger spontan Entschlossene auf dem Platz… 😉

Der Platz an sich liegt am Ende einer Sackgasse und ist leicht zu finden. Im Sekretariat wurde ich ausgesprochen freundlich empfangen und bekam gleich ein Birdiebook (das wirklich extrem hilfreich sein sollte) überreicht.

Das Übungsareal ist ausgesprochen groß, es gibt mehrere Puttinggrüns, Pitchinggrüns, Übungsbunker und Chipping-Areas. Und der Ballautomat an der Drivingrange akzeptiert Münzen – das finde ich persönlich wichtig, um auch außerhalb der Öffnungszeiten abschlagen zu können. Als netter Gag sollen im Ballautomaten übrigens auch drei goldene Bälle sein. Wer einen davon zieht, der bekommt eine Flasche Champagner geschenkt!

Wie dem auch sei – ich habe mich fix warmgeschlagen und bin dann zu meiner Runde aufgebrochen. Pünktlich zu meiner Startzeit (die wäre gar nicht nötig gewesen, ich war nämlich fast alleine auf dem Platz) stand ich also am ersten Tee und studierte auch gleich zum ersten Mal das Birdiebook. Denn am Meisterschaftsplatz gibt es keine Abschlagtafeln – das hängt wohl auch damit zusammen, dass es mindestens vier verschiedene Abschläge pro Bahn gibt, die auch noch unterschiedlich gesteckt werden können.

Klassisch als Linkskurs angelegt hat der Platz kaum größeren Pflanzenbewuchs, Bäume gibt es im Grund nur am Geländerand. Dafür sind die Fairways sehr wellig, es gibt hohes (fieses, gefräßiges, hinterhältiges) Rough und jede Menge Wasser. Die Grüns sind relativ groß, stark onduliert und nicht ganz so schnell wie ich erwartet hatte (aber trotzdem deutlich schneller als bei mir im Heimatclub).

Lange Par 5 Bahnen wechseln sich mit mutmaßlich einfachen Par 3 Löchern und fairen Par 4 ab. Alles wird dann aber doch richtig tricky, gerade wenn der Wind ins Spiel kommt. Und naturgemäß ist bei einem Linksgelände eigentlich immer der Wind im Spiel. Die Frage ist dann halt nur, ob es wenig, etwas mehr oder richtig viel Wind ist (das hat bei meiner Runde auch gewechselt) und aus welcher Richtung er kommt.

Es gibt jede Menge Abwechslung, jede Bahn hat einen eigenen Charakter und alleine die optischen Eindrücke sind unglaublich toll. Gleich mehrere Grüns sind als Halbinselgrüns angelegt. Überhaupt ist jede Menge Wasser in Form von Seen oder Bachläufen im Spiel. Auf mehreren Bahnen ziehen sich Naturstein-Mauern oder -Vorsprünge durch das Fairway und müssen über- oder umspielt werden. Auf Bahn 11 liegt mitten in der Drivezone neben einem großen Bunker ein riesiger Findling und das Fairway von Bahn 12 wird zum Grün hin von einem See geteilt. Hier hat man dann nur die Wahl, den langen, sicheren Weg außen herum zu nehmen oder auf Risiko die Abkürzung zu spielen.

Es gibt teilweise ausgedehnte Bunkerlandschaften, die auch optisch toll angelegt sind. Für mich neu waren die harten, welligen Fairways, auf denen der Ball gerade bei flacheren Schlägen noch ordentlich Meter macht. Das kann bei geraden Treffern sehr gut sein, so mancher Bunker auf dem Fairway wird dadurch aber zusätzlich gefüttert. Jetzt bin ich grundsätzlich nicht der längste Spieler, da ist es rein psychologisch natürlich schön, wenn der Drive weiter liegt als sonst zuhause. 🙂

Einen wichtigen Tipp für jeden muss ich auf jeden Fall mitgeben: Achtet darauf, dass Ihr genug Bälle dabei habt! Der Meisterschaftsplatz ist ein Bällegrab. Ich habe auf meiner Runde so viele Bälle verloren (12 oder dreizehn, glaube ich), dass ich auf den Backnine irgendwann Sorge hatte, ob ich überhaupt genug Bälle dabei habe. Letztlich hat es gereicht, aber das Gefühl ist schon sonderbar und gleichzeitig hat es mich begeistert, so herausgefordert zu werden.

Mein Fazit fällt deshalb ziemlich eindeutig aus: Der Platz ist ein wunderschönes Miststück. So stelle ich mir Golf vor, ich habe selten trotz wirklich verheerenden Schlägen so viel Spaß gehabt. Es gibt jede Menge Highlights, die Bahnen sind allesamt schwierig und trotzdem kann man sich für einen guten Schlag immer wieder belohnen. Ich habe Doppel-Pars gespielt und gleichzeitig einen neuen persönlichen longest Drive aufgestellt. Ich habe gleich mehrere Bälle in Wasserhindernissen versenkt und an zwei anderen Bahnen mit einem guten Up-and-down das Par gespielt (an einem Par 3 und einem Par 5, die Par 4 Bahnen wollten irgendwie an dem Tag nicht). Also Himmel und Hölle auf einer Runde.

Kurz gesagt: Ein. Geiler. Platz. Alles in allem kann ich hier bedenkenlos eine Empfehlung aussprechen – der Platz lohnt auch eine etwas weitere Anreise, wie ich finde. Einfach weil er ein Erlebnis ist. Pflegezustand, allgemeine Qualität und die Freundlichkeit der Menschen vor Ort stimmen auch. Ich freue mich schon drauf, wenn ich hier irgendwann noch einmal spielen kann.

Übrigens finde ich die aufgerufenen 60 Euro Greenfee (unabhängig vom Wochentag oder „R“-Kennzeichnung) absolut in Ordnung, ich hätte fast mit mehr gerechnet. Schläger kann man sich übrigens auch leihen, die sollten aber vorher sicherheitshalber reserviert werden; für 25 Euro bekommt man ein komplettes Set Taylor Made M2 inklusive Bag und Trolley – auch hier finde ich das Preis-Leistungsverhätnis mehr als gut.

Hinfahren!

Ostsee Golf Resort Wittenbeck
Zum Belvedere
18209 Wittenbeck

Meine Runde ist übrigens eine 114 geworden, fünf über meinem Handicap, und ist hier bei GameGolf zu finden. Impressionen vom Platz gibt es hier in der Galerie.

Kommentar verfassen