Heidegolfer

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Turniere

So spielt man also eine Even-Par-Runde

Erst das vierte Turnier in diesem Jahr, aber im Nachhinein schon eines der Highlights. Wann erlebt man als Amateur schon eine Even-Par-Runde.

Aber von vorne. Ich hatte mich zu einem 18-Loch-Turnier im Golfclub an der Göhrde angemeldet, Besuch bei Schwiegermama war also angesagt. Das Wetter war als grandios angekündigt und ich war heiß wie Frittenfett. Endlich wollte ich einmal besser spielen als bisher in diesem Jahr.

Matchplan

Vorab hatte ich mir einen Matchplan für jede einzelne Bahn zurechtgelegt und war fest entschlossen, ihn durchzuhalten. Ein Element war dabei, den Driver maximal dreimal einzusetzen und auch nur, wenn er auf der Range artig war.Ansonsten wollte ich mit Eisen und dem 5er Holz abschlagen und den Ball erst einmal sicher ins Spiel bringen.

Der Plan war einfach: defensives Spiel, gezielt aufs Bogey gehen und auf einigen Bahnen auch das Doppelbogey in Kauf nehmen. Bei den Par 3 locker vorlegen und mit dem zweiten aufs Grün und auf den Par 4 die Grüns erst angreifen, wenn ich innerhalb von etwa 110-120 Metern liege – ansonsten auch hier vorlegen und auf einen guten Pitch oder Chip spekulieren. Die Par 5 sind bis auf eines für eine Kurznase wie mich ziemlich lang, so dass ich hier mit einem Doppelbogey jeweils zufrieden wäre, besser würde ich als Bonus verbuchen.

Spielpartner

Am Nachmittag vor dem Turnier sitzen wir gemütlich bei Schwiegermama, meine Tochter spielt mit Ihrer Oma und den Barbies und ich schaue, ob die Startzeiten schon veröffentlicht sind. Ja, sind sie. Also nachschauen, wann ich dran bin und mit wem ich spielen darf. Und als ich das gesehen habe, bin ich echt nervös geworden. Insgesamt 63 Teilnehmer waren gemeldet und ich stecke im Flight mit dem besten Spielern des Clubs. Über meinem Handicap 29.5 lächelt milde das Handicap 2.0 meines Spielpartners auf mich herab.

Also bin ich am Abend (mit Zustimmung der besten Ehefrau der Welt, die gesehen hat wie nervös ich plötzlich war) noch einmal zum Platz, um noch ein wenig zu üben. Vor allem Chippen und langes Spiel lagen da im Fokus, aber auch die Grüns kennenzulernen war wichtig. Zu meinem Glück bin ich dort auf Malte getroffen, den ich von einem früheren Turnier her schon kannte. Malte sprach mich gleich auf meine Spielpartner an und meinte, dass ich eine tollen Gruppe erwischt hätte, da beide (neben Steffen mit dem 2.0 Hcp war da auch noch Axel mit Handicap 8.9) super nett seien. Ich kam also etwas beruhigter zum Abendbrot zurück und freute mich auf das Turnier – wird schon schiefgehen.

Am Turniermorgen hat mich die beste Ehefrau der Welt dann zum Golfplatz gefahren und ich habe mich angemeldet. Das Einspielen verlief konzentrierter als sonst, ich habe mich recht lange mit dem Chippen rund ums Grün beschäftigt und längere Putts geübt, weil die Grüns deutlich schneller waren, als ich es aus Celle kenne. Auch das Einschlagen auf der Range verlief insgesamt ok, nur der Driver zickte rum und wollte kaum geradeaus fliegen – aber der sollte ja sowieso selten mitspielen.

Golfen mit Könnern

Also ging es zur Startzeit ans erste Tee, Steffen und Alex machten wirklich auf Anhieb einen richtig netten Eindruck und die Laune war gut. Natürlich haben beide den Driver gezückt (Loch 1 ist ein mittleres Par 4 mit einem leichten Linksknick, aber insgesamt nicht so schwer als Eröffnungsloch). Ich halte mich an den Plan und nehme mein 5er Holz in die Hand – Abschlag Mitte Fairway und alles war gut. Ich habe  logischerweise gleich noch den nächsten Schlag, der aber auch sicher Mitte Fairway liegen bleibt. Steffen und Axel jagen ihre zweiten wie selbstverständlich mit einem Eisen in Richtung Grün, wobei Axel knapp zehn Meter zu kurz bleibt.

Mein dritter Schlag fliegt auch geradeaus in Richtung Grün und landet nur etwa ein-zwei Meter davor – das ist definitiv besser als in der Proberunde am Vortag, wo ich den Grünbunker links getroffen hatte. Einen guten Chip und nur einen Putt später habe ich eine fünf auf der Scorecard und freue mich darüber fast mehr als meine beiden Mitspieler sich über ihr Par freuen. 🙂

Und auch auf Bahn zwei (Par 3 bergan mit Grün halb im Wald) bleibe ich meinem Plan treu, spiele ein Eisen vor das Grün, chippe und brauche zwei Putts für das nächste Bogey – das ist für mich ein Netto-Birdie, nur mal so nebenbei erwähnt.

Viel faszinierender ist aber Steffens Spiel. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand so ruhig, so sicher und gleichzeitig fast emotionslos nahezu jeden verflixten Ball geradeaus spielt. Ob Driver, langes Eisen, kurzes Eisen oder Wedge … irre gut. Und das macht er – bis auf ein oder zwei Ausnahmen – die gesamte Runde über. Ein einziger Drive geht rechts in den Wald und wir finden ihn gute zehn Meter vom Waldrand mitten im „Dickicht“. Aber auch den spielt Steffen dann noch mit einer Sicherheit durch eine Baumlücke zurück aufs Fairway und ich stehe staunend und ehrfürchtig daneben.

Axel spielt ähnlich sicher und geradeaus und weit. Da sind es manchmal Nuancen, um die Steffen dann genauer ist und die letztlich aber dann noch den Unterschied zwischen den beiden ausmachen. Und ich würde meine Schwiegermutter verpfänden, wenn ich dafür so spielen könnte wie Axel (hat da jemand eventuell Interesse? Nein?).

Zu mir sind es keine Nuancen, sondern eher Welten. Weil ich dann eben doch den Driver am Par 5 in die Hand nehme, den Ball wegslice und wir ihn dann nicht finden. Und weil ich beim Putten die Dosierung nur so einigermaßen hinbekomme, aber nicht darauf achte, dass ich diesmal bergab stehe und der Ball deshalb zwei Meter hinters Loch rollt anstatt kurz dahinter zum Tap-In liegen zu bleiben. Und weil ich überlege, die Annäherung aus 50 Metern – ohne Hindernis vor dem Grün – flach oder hoch zu spielen, mich natürlich für hoch und Sandwedge entscheide, den Ball leicht toppe und ihn zwanzig Meter über das Grün hinaus schieße.

Steffen hat übrigens nach dem Waldausflug tatsächlich so schlecht gelegen, dass er nicht ums Dogleg herum kam und somit erst mit dem vierten das Grün anspielen konnte. Dort hatte er dann mit einem ausgelippten Putt etwas Pech, spielte das Doppelbogey – und verzieht keine Miene. Axels Drive an dieser Bahn links in den Wald hatten wir nicht gefunden, sein provisorischer Ball lag aber so gut, dass er trotz des Strafschlages auch noch eine sechs notieren konnte.

Ich hingegen hatte dank des ungewollten Sandwedge-Fliegers und eines ungeschickten Chips eine sieben auf der Scorecard und damit die vermutlich einzige Chance vertan, den beiden wenigstens einmal die Ehre abzunehmen. Schade eigentlich.

Im Grunde verlief die ganze Runde von Loch zu Loch recht ähnlich. Steffen und Axel spielten sicher wie zwei alte Hasen (die sind beide jünger als ich – vermutlich deutlich – aber spielen natürlich schon wesentlich länger Golf) und ich konnte gefühlt einigermaßen gut auf niedrigerem Niveau mitspielen. Nur dass ich dann immer mal wieder Fehler gemacht habe, die mich Chancen oder Schläge gekostet haben.

Steffen hat den Rest der Frontnine übrigens im Par gespielt (und hatte dabei mehrfach Pech beim Putten). Auf der Backnine hat er ein weiteres Bogey gespielt, weil ihm wieder einmal ein Putt ausgelippt ist, dafür aber dazu drei Birdies „eingestreut“. Und auch dabei hat mich weniger das Ergebnis als viel mehr die Souveränität fasziniert, die solch ein klasse Spieler an den Tag legt; unaufgeregt, konzentriert und trotzdem locker.

Axel hatte offensichtlich insgesamt keinen ganz so guten Tag erwischt. Natürlich war er immer noch um Klassen besser als ich, auch wenn er gleich mehrmals Abschläge oder Annäherungen seitlich verzogen hat. Deshalb kann ich fast mit Stolz sagen, dass ich weniger Bälle verloren habe (nämlich nur einen) als ein Spieler mit einem einstelligen Handicap. 🙂

Aber natürlich habe ich trotzdem sicher 20-25 Schläge mehr gebraucht als er – weil das ist halt so. 😉

Trotz alldem: Was mir eigentlich am meisten an der ganzen Runde und diesem Flight gefallen hat war, wie die zwei mich mitgenommen haben – da war es völlig egal wie ich spiele. Auch zwei Single-Handicaper kraxeln durch die Büsche auf der Suche nach einem Ball, den ich gerade weggesliced habe. Beide sind einfach super nett und spielen gerne Golf, genau wie ich. Und das verbindet. Punkt

Meine Spielanalyse

Tja, wie bewerte ich mein Turnierergebnis jetzt rückblickend. Letztlich habe ich 31 Nettopunkte gemacht, was bei drei gestrichenen Löchern gar nicht mal so grauselig ist.

Ich habe mich nicht immer an meinen Plan gehalten und bin Risiko gegangen (das sich nicht bewährt hat). Also ist eine Erkenntnis: Halte Dich an den Plan! Und natürlich habe ich Punkte liegenlassen, weil ich Fehler gemacht habe – und die nicht zu knapp:

  • dreimal den Driver versucht und alle drei Male gnadenlos gescheitert (Slice – der war vorher eigentlich schon fast weg)
  • mehrere Male schlecht geputtet (Gefälle nicht berücksichtigt, Tempo falsch dosiert) und so unnötige Dreiputts verursacht
  • auf der Backnine bei nachlassender Konzentration mehrfach zuerst den Boden und dann erst den Ball getroffen und diesen damit nur hoppeln statt fliegen lassen
  • dreimal für die Annäherung den falschen Schlag / Schläger ausgewählt und jeweils über das Grün hinaus gespielt
  • auf der letzten Bahn war die Luft raus und die Streuung so groß, dass ich den Strich schon vor dem Grün notieren „konnte“

Aber trotzdem – ich bin insgesamt erstens zufrieden und hatte zweitens unheimlich viel Spaß. Wie gesagt: eine Par-Runde sieht man als Amateur auch nicht alle Tage. Und ich habe zwei-drei konkrete Baustellen, an denen ich für mein Spiel arbeiten kann. Das wird also noch … tschakka!

Meine Runde gibt es zum Nachschauen noch einmal hier bei GameGolf.

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