Heidegolfer

Der Blog für Otto-Normalgolfer
Heidegolfer persönlich

Projekt „UHU“ #09 – Birdies und Doppelpars

Ich verstehe jeden, der nicht versteht, warum ich immer noch keine Runde „unter Hundert“ gespielt habe – so schwer kann das doch nicht sein. Genau diese Gedanken habe ich ja auch. Aber trotzdem schaffe ich es bisher, mir jede Runde soweit zu zerschießen, dass ich auf 18 Loch weiterhin nur dreistellig unterwegs bin.

Unverhofft kommt viel zu selten

Die meisten Golfer werden mir zustimmen: Wenn man am wenigsten nachdenkt, gelingen einem die besten Golfschläge. Oder anders ausgedrückt: Je mehr ich über meinen Schwung nachdenke, desto katastrophaler wird das Ergebnis.

Morgens gleich auf den Golfplatz

Übertragen auf mein „Projekt UHU“ (endlich Runden „unter Hundert“) bedeutet das, dass ich mir zu viele Gedanken zu diesem Ziel mache und zu wenig erwartungslos golfe. Vielleicht sollte ich einmal ein paar Schnäpse trinken, bevor ich auf die Runde gehe.

Wenn ich die ersten zwei-drei Bahnen gut gespielt und entsprechend gute Ergebnisse notiert habe, dann kommen automatisch diese „wenn das so weitergeht…“-Gedanken in den Kopf. Hat jemand eine Idee, wie man das ausschaltet?

Mein erstes „hole out“ aus der Entfernung

Ich war neulich mit meinem Kollegen Daniel gleich früh morgens unterwegs. Daniel hat sich nach 9 Loch wegen Terminen in Richtung Büro verabschiedet und ich bin alleine weiter. Die Frontnine hatte ich ganz ok gespielt – ich war guter Dinge und hatte Spaß.

Unsere zehn, ein mittleres Par 3, habe ich im Bogey gespielt. Bahn elf ist dann das erste Par 5 in Celle und mein Abschlag war eher so mittel (zu kurz und zu links). Schlag zwei mit dem Eisen zurück aufs Fairway war ok und nach dem dritten lag ich dann noch ziemlich genau 90 Meter vor der Fahne.

Für mich ist das ein Pitching Wedge oder ein lockeres 9er Eisen, je nachdem. Ich habe nicht lange nachgedacht, das Eisen genommen und den Ball sauber getroffen. So schnurgerade zur Fahne habe ich selten einen Ball fliegen sehen. Durch die leicht blendende Sonne konnte ich ihn zwar nahe der Fahne aufkommen sehen, habe ihn dann aber aus den Augen verloren.

Ein „hole out“ zum Birdie

Also marschiere ich los, stelle den Trolley am Weg zum nächsten Tee ab (Etikette…) und nehme meinen Putter und das Pitching Wedge mit – ich kann den Ball nämlich nicht auf dem Grün liegen sehen. Bei der an diesem Tag lang gesteckten Fahne ist es also gut möglich (so kenne ich mich), dass der Ball nach dem Einschlag über das Grün hinaus gegangen ist.

Als ich die Kugel aber im halbhohen Gras hinter dem Grün nicht finden kann, kommt mit irgendwann ein „der wird doch wohl nicht…“ in den Kopf und ich gehe aufs Grün. Und siehe da, keine fünf Zentimeter neben dem Loch ist meine Pitchmarke und der Ball liegt genau da, wo er hingehört.

Ich habe soeben ein Birdie aus 90 Metern Entfernung geschossen. Ein komisches Gefühl – zumal niemand da ist zum Abklatschen…

Von ganz oben kann es nur bergab gehen

Das Highlight des Golftages stand damit schon auf der elften Bahn fest und ich hätte die restlichen Löcher getrost weglassen können. Vermutlich hätte ich es sogar sollen, denn ab da lief kaum noch etwas in meinem Spiel zusammen.

Toller Abschlag auf der 12, aber dann ein Ballverlust. Tolle lange Annäherung aufs Grün und dann ein Dreiputt. Auf der eher kurzen Bahn 13 Abschlag ins Aus, zweiter Abschlag perfekt aufs Fairway und das Grün in Reichweite – die Annäherung dann getoppt und den Ball im See versenkt.

Halt – die 14 habe ich gebogeyt, das war ok. Dafür aber auf der 15 wieder den ersten Abschlag links ins Aus gehauen (das hatte ich bis dato noch nie „geschafft“, weil ich immer ziemlich weit nach rechts ziele). Loch 16 Katastrophe, 17 naja-auweia und über die 18 verlieren wir hier mal lieber gar kein Wort (bääähhh!!!).

Wenn der Golfgott denkt: „Und jetzt verwirren wir ihn mal richtig!“

Den letzten Zweifel, dass (mein) Golf ein laufendes Auf-und-Ab ist, habe ich wenig später unfreiwillig angetreten. Nach einer Trainingsstunde bei Uli bin ich mit Yves aus Peine noch die Backnine im Golfclub Peine-Edemissen gegangen. Yves spielt ein 4er Handicap und ist ein Kurzspielspezialist (die Trainings-App „Short Game Guru“ ist von ihm und er hat mir auch schon einmal ein Dutzend Fragen beantwortet).

Toller Golfplatz in Peine

Ich habe „naja“ mit einer 8 auf dem Par 5 (inklusive Strafschlag) angefangen. Das war für den Einstieg hinnehmbar. Das folgende Par vier habe ich gut gedrived und mit meiner Annäherung ans Grün den Grünbunker getroffen.

Nun kann ich Bunker eher so mittel und bin auch mit dem Ziel „irgendwie raus“ ans Werk gegangen. Was soll ich sagen: Eingelocht. Birdie. Aus dem Bunker! Ha!!

Danach gebe ich leider wieder den Heidegolfer und spiele nach einem okay-enen Doppelbogey drei Doppelpars. So kenne ich mich, aber was bitte soll der Mist?

Von ganz weit oben glaube ich ein leises Kichern und ein „da geht noch was“ zu hören, während wir zum 17. Abschlag gehen. Die vorletzte Bahn ist ein mittleres Par 3, die Beregnung läuft und wir passen für unseren Abschlag den richtigen Zeitpunkt ab, um nicht getränkt zu werden.

Ich schlage zu kurz und leicht zu rechts ab, liege aber im normalen Gras etwa 25 Meter vom Grün weg. Während ich meinen Trolley und mich durch die sich drehenden Beregner manövriere ist dieses Kichern wieder da.

Um nicht nass zu werden beeile ich mich also, schnappe mir mein Wedge und will den Ball nur in Richtung Grün chippen – und der rollt statt dessen ins Loch. Birdie! Das zweite des Tages – das ist ein Novum für mich. Ich bin ja eher die vier 8er auf der Scorecard gewohnt. Aber zwei Birdies fühlen sich extrem gut an.

Die sonderbare Scorecard

Zum Abschluss der Runde habe ich dann sogar noch die letzte und zweitschwerste Bahn des Platzes im Par gespielt. Darüber habe ich mich ehrlich gesagt fast mehr gefreut als über die zwei Birdies vorher; nicht falsch verstehen – ich freu mich über die auch wie Bolle! Trotzdem hat so ein Birdie-Chip-In eben auch mit Glück zu tun.

Aber: Ein guter Abschlag gefolgt von einem guten langen zweiten Schlag (knapp übers Grün hinaus), einem guten Chip aus dem Semirough und ein dann gelochter 2-Meter-Putt zum Par – das ist Golf, wie ich es gerne immer spielen können würde. Wie sagte es Derk in einem Kommentar so richtig: Da sieht man mal, was möglich ist, wenn man die Streicher von der Scorecard bekommt.

Ich glaube, der Hauptunterschied zwischen den hohen und den niedrigen Handicaps sind die Fehler, die großen Fehler und vor allem die Riesenfehler – sowas haben die guten Spieler einfach nicht mehr so drauf… 😉

Natürlich gelingt einem Spieler wie Yves auch längst nicht jeder Schlag, aber aus Problemlagen können sich gute Spieler halt wieder vernünftig befreien. Unsereins torkelt von einem mittleren Problem ins noch viel größere, weil man versucht, etwas „zu retten“.

Ich glaube, das gewöhne ich mir jetzt einfach mal ab. Gaaaanz sicher.

Hoffentlich.

1 Kommentar

  1. Gerne habe ich wieder deinen neuen Artikel verfolgt, weil er zeigt, wie es im Golf ständig Auf- und Ab geht. Das zeigt neben der Lobhudelei von anderen Golfern, die immer nur dann schreiben, wenn sie den 250m Drive geschlagen haben aber nicht die Lady am nächsten Loch, öfter Hand in Hand geht, als wie zugegeben wird. Viele Golfer, besonders die Beginner und mittleren Handicapper denken oft, warum kann nicht auch einer dieser Helden sein, warum bin ich es immer der kämpfen muss, dabei vergessen, dass diese Helden nur eine Halbwertzeit von zwei drei Löchern haben. Aber, um auf deine Frage wie folgt zurückzukommen:“

    Wenn ich die ersten zwei-drei Bahnen gut gespielt und entsprechend gute Ergebnisse notiert habe, dann kommen automatisch diese „wenn das so weitergeht…“-Gedanken in den Kopf. Hat jemand eine Idee, wie man das ausschaltet?“

    Ja, den Tipp habe ich und lautet wie folgt:“ Konzentration nach dem W.I.N Prinzip!“ – ist nicht von mir und auch nicht erfunden, doch in sich stimmig und in seiner Konsequenz erfolgreich.

    http://mentaltraining-golf.de/konzentration-nach-dem-w-i-n-prinzip

    Gerne schreibe mir, was daraus geworden ist, wenn es angewendet wurde!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.