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Projekt „UHU“ #06 – Vielleicht höre ich wieder auf mit Golf

Ich habe tatsächlich ziemliche Zweifel, ob Golf für mich der richtige Sport ist. Also abgesehen davon, dass die meisten ja denken, es sei kein Sport. Aber das ist ein anderes Thema. Ich überlege ernsthaft, die Sportart zu wechseln. Irgendwas, wo man nicht so viel falsch machen kann: Sofasitzen oder so.

Auf dem Weg vom Club zurück habe ich gestern Abend schon einen Anzeigentext formuliert:

Driver in gute Hände abzug… Moment! Nix da. Dürfen gerne böse Hände sein. Das Miststück hat es nicht anders verd…

Ruhig, Olaf, ganz ruhig. Also nochmal:

Driver abzugeben. Gut erhalten, funktioniert auf der Range super – hat aber leider eine Fairway-Allergie. Und hört auf den Namen Miststück! Elendes, dreckiges M…

Naja, vielleicht ist das mit der Anzeige doch keine so gute Idee. Oder ich warte noch etwas, bis ich mich wieder erholt habe von dem Desaster, das ich da „produziert“ habe.

Ich fange mal von vorne an. Ich hatte mir ja als Ziel gesetzt, mein Spiel konstanter zu bekommen und in dieser Saison endlich die verflixte 100 zu knacken. Eine Runde – oder besser noch regelmäßige Runden – unter hundert, das ist mein „Projekt UHU“ für diese Saison. Und es klingt so leicht.

Also habe ich mich in die Hände eines neuen Pros, Uli aus Peine, begeben, der mir hilft. Im Training klappt alles auch schon sehr gut, ich haue schöne gerade Drives mit meinem Driver und meinem Holz 5. Auch meine Eisenschläge sind zuverlässiger geworden, seit Uli sich meiner angenommen hat.

Der Haken an der Sache liegt aber darin, dass ich es – warum auch immer – bisher nicht schaffe, die erreichten Fortschritte aus dem Training auf den Platz zu bringen. Gleich beim ersten 9-Loch-Turnier im Bergen-Hohne Golfclub hatte ich noch mit 38 Nettopunkten eine Unterspielung geschafft – und seitdem geht es so rasant bergab, dass mir fast schwindelig wird.

Bis heute hatte ich geglaubt, dass ich den Tiefpunkt vor zwei Wochen erreicht hatte. Da hatte ich zum zweiten Mal beim 9-Loch-Format unserer Mittwochsherren mitgespielt. Das Angebot gibt es seit diesem Jahr und wendet sich genau an Leute wie mich: Berufstätige, die mittwochs eben nicht schon am frühen Nachmittag die normale Herrenrunde mitspielen können.

Statt dessen schlagen „die 9er“ erst ab 16 Uhr ab, spielen nur die Frontnine in Celle und beenden ihre Halbrunde dann quasi gemeinsam mit den normalen HeMiGos, so dass die Siegerehrung wieder gemeinsam zelebriert wird.

Bei der ersten Ausgabe hatte ich passable 15 Nettopunkte erspielt, die ich bei zwei gestrichenen Löchern eigentlich ganz ok fand. Den besagten vermeintlichen Tiefpunkt hatte ich dann zwei Wochen später bei Ausgabe Nummer zwei: Ich habe peinliche 9 Nettopunkte erzielt – fünf davon (also mehr als die Hälfte) dank eines unverhofften Birdies an einem Loch.

Wie gesagt dachte ich bis gestern, dass das der Tiefpunkt war. Es konnte schließlich nur noch bergauf gehen. Ha! Pustekuchen. Der Golfgott hat sich nämlich gedacht „da geht noch was!“

Weil ich ausnahmsweise einmal etwas schneller aus dem Büro kommen konnte, hatte ich mich für gestern bei den „normalen“ HeMiGos für das 18-Loch-Spiel angemeldet. Ich dachte, irgendwann müsse der Knoten ja mal platzen. Weit gefehlt…

Ich hatte mit Wolfgang (Hcp 24,8) und Albert (Hcp 26,6) zwei wirklich tolle und nette Spielpartner. Das Wetter war auch perfekt, wir hatten strahlenden Sonnenschein. Und ich habe die größte Grütze gespielt, die man sich vorstellen kann. Es hat fast körperlich wehgetan.

Optimistisch und gut gelaunt hatte ich mir natürlich (wieder einmal) vorgenommen, das Gelernte auf dem Platz umzusetzen. Also ohne Scheu zum Driver zu greifen, ruhig und flach zu schwingen und den Ball – wie auf der Range – schön geradeaus auf seinen Weg gen Fairwaymitte zu schicken.

Den ersten Abschlag habe ich dann mit der Hacke getroffen und nach links ins Semirough gepusht. Kann passieren, Mund abputzen und weiter machen (letztlich habe ich eine sieben auf dem langen Par 4 gespielt). Am zweiten Abschlag das gleiche – nur etwas weiter links ins tiefere Gemüse.

Den dritten Abschlag habe ich mit dem 5er Holz gespielt (weil die Bahn ein Dogleg ist) und … ratet mal … wieder mit der Hacke nach links gehauen. Was ist hier los? Der vierte Abschlag (erneut mit dem Holz) ging dann tatsächlich geradeaus, war aber leider getoppt. Ich hatte letztlich Glück, dass der Boden so dermaßen trocken war, dass mein Ball trotzdem gut 130 Meter weit gehoppelt ist. Wäre es nicht so traurig gewesen, hätte man fast lachen können.

Und so ging es weiter. Ich habe gehackt wie in wildesten Anfängerzeiten. Ich hatte fette Treffer mit den Wedges, zwei-dreimal einen Shank („natürlich“ ins Aus) und so weiter. Innerhalb kürzester Zeit war auch das letzte bisschen Selbstvertrauen weg und ich habe ernsthaft überlegt, eine Verletzung vorzutäuschen, um dem Treiben ein vorzeitiges Ende zu setzen.

Ich habe furchtbare Annäherungen gespielt, ich hatte mehrere Dreiputts – auf unserer sieben (kurzes Par 4) habe ich sogar einen 4-Putt „geschafft“. Golf kann sich wie Folter anfühlen. Mir war es gegenüber meinen Spielpartnern ehrlich peinlich, was ich da zusammenspielte.

Letztlich habe ich mich irgendwann (viel zu spät) darauf verlegt, ausschließlich die Eisen zu spielen, um mich erst einmal wieder zu fangen und die Runde mit Anstand zu Ende zu spielen. Das ging dann zumindest einigermaßen gut, ich hatte auf unserer 18. Bahn (das mit 500 Metern längste Par 5) sogar einen Par-Putt – aber wie es zum ganzen Tag passt, habe ich den auf der Linie zu kurz gelassen…

Die Scorecard des Grauens kann man eigentlich niemandem zeigen, aber Strafe (für mich) muss sein. Neun von 18 Bahnen gestrichen ist sowas wie ein neuer Höhepunkt in meiner Golfkarriere. Halleluja!

Dass ich aus Zeitgründen nicht wirklich trainieren war in den letzten Wochen kann ich zwar als Ausrede … äääähh … Begründung reklamieren, aber trotzdem darf so eine Runde nicht passieren. Da kam einfach zuviel zusammen.

Am Freitag habe ich eine Pro-Stunde bei Uli und wir gehen auf den Platz, ich bin jetzt schon gespannt. Ich fürchte aber, ich muss ihm erst einmal erzählen, was zuletzt passiert ist. Das fühlt sich an wie dem Lehrer zu sagen, dass man die Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Aber vielleicht ist es auch wie in den letzten Unterrichtsstunden bei ihm und ich treffe den Ball wieder viel besser. Ganz ehrlich: Ansonsten hätte ich eventuell doch noch einen Driver abzugeben – ich nenne ihn liebevoll „Miststück“…

2 Kommentare

  1. Hallo Olaf,
    …. das Erste Mal, dass ich mir überhaupt die Mühe mache, auf einen Blogartikel in die Tasten zu hauen…. denn, dieser Artikel ist ein Déjà-vu für mich… und so ein Miststück habe ich auch ab und zu im Bag 😉 … Jetzt frisch den G400 von Ping und zuvor das richtige Mistst… , den R15 von Taylor Made…
    Lass dich nur nicht auf deinem Weg beirren….. den genau das gehört zum Spiel dazu um sich weiter zu entwickeln!
    Ich befinde mich derzeit auch im UHU Projekt und bin – an sich- im Moment ganz gut dabei…. Jede Privatrunde bewegt sich zwischen 85 – 98 Schlägen. Aber, wenn es darauf ankommt, im Turnier, klappt nix mehr… So habe ich mir souverän beim letzten Punktspiel der Damen eine satte 109 (!) mit alleine 42 (!) Putts in Brunstorf reingebratzt… die Totalkatastrophe!!! Wie gut, dass es Streichergebnisse gibt. Woran liegt es??? Klar, an dem was sich zwischen den Ohren befindet… Da hilft nur, Tränen trocknen und weiter machen…!
    Nun zu Deinem Blog… Ich lese ihn immer wieder gerne (auch wenn ich manchmal die enthaltenen Rundenanalysen nur fix überfliege) weil, ich mich in manch beschriebener Situation zu gut wieder erkenne. Es macht viel Spaß, mit deinem oftmals erfrischenden Schreibstil, deine Erfahrungen, Erfolge und auch Begegnungen zu verfolgen. Daher bin ich auch immer neugierig auf Neues.Deinen Blog habe ich übrigens über Facebook entdeckt.
    Zu mir…. ich habe ebenfalls 2014 ( im Herbst ) „mein“ Golfprojekt gestartet. Ich bekenne mich eine echte „Schönwettergolferin“ zu sein und habe mich über mehr oder weniger fleißig bis jetzt zu einer Bogeygolferin mit einem 18er HCP „entwickelt“. Ich bin eine nicht ganz waschechte Hamburgerin und spiele mit meinem Schatzi in meinem Heimatclub am Peiner Hof mehr oder weniger erfolgreich Golf. Gerne und auch häufiger spiele ich auch in umliegenden Clubs, da ich die Herausforderung und Abwechslung liebe.
    In diesem Sinne, vielleicht sieht man sich ja mal auf einem Turnier oder einer Runde, ich wünsche Dir ganz viel Erfolg bei deinem UHU Projekt und freue mich schon, es weiter zu verfolgen.
    Sonnige Grüße aus der Nähe vom Hamburger Volkspark,
    Kirsty

    1. Hallo Kirsty,
      vielen Dank, für Deinen Kommentar, das Lob und die Motivationshilfe. Ist toll zu lesen, dass ich nicht der einzige bin, der sich meine Eigentherapie anschaut… 🙂
      Den G400 hatte ich beim Driverfitting auch ausprobiert (bin bekennender Ping-Fan), aber irgendwie hat er mir damals schnell klar gemacht, dass wir nicht füreinander bestimmt waren. Ich habe mich ja dann von meinem Cobra becircen lassen … wenn ich das vorher gewusst hätte.
      Das mit der Abwechslung kann ich nachempfinden, ich spiele auch gerne andere Plätze, die ich noch nicht kenne. Ich habe auch gleich den Peiner Hof gegoogelt, wie weit das weg ist. 😉 Vielleicht habe ich ja wirklich mal Gelegenheit, den zu besuchen – dann winke ich vorher mal in Deine Richtung, wenn es recht ist. Und falls Du mal in die Nähe von Celle kommst … Du weißt schon.
      Schöne Grüße zurück aus der sonnigen Südheide
      Olaf

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